Ärzte Zeitung online, 17.11.2015

Infektiologen warnen

Mehr exotische Mückenarten in Deutschland

Mücken, die etwa Dengue und Chikungunya übertragen, breiten sich hierzulande vermehrt aus.

MÜNCHEBERG. In diesem Jahr war der Anteil an exotischen Mückenarten höher als sonst, stellen Experten des Internetportals Mückenatlas fest. Auch Asiatische Tiger- und Buschmücken sind unter den eingewanderten Arten. Diese können Überträger für Krankheiten, wie dem West-Nil-Fieber, Chikungunya oder Dengue sein.

Aufgrund von Trockenheit war 2015 kein Mückenjahr. Dennoch sei das Jahr "sehr spannend" gewesen, sagt Doreen Walther, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg. Während heimische Mückenarten tiefe Wasserflächen brauchen, reichen Exoten wie der Asiatischen Tigermücke und der Asiatischen Buschmücke kleine Gefäße mit geringem Wasserstand.

Kleine Pfützen reichen für Larven

"Sie legen ihre Eier beispielsweise in Untersetzer von Blumentöpfen oder in die kleinste Pfütze", erklärt die Forscherin. Seit vier Jahren arbeitet Walther gemeinsam mit Helge Kampen vom Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit in Greifswald an einem bundesweiten Mückenatlas.

Das Portal soll Aufschluss über die Verbreitung heimischer und zugewanderter Stechmückenarten geben. Es basiert auf der Mithilfe von Bürgern: Sie sollen im Umfeld vorkommende Mücken einfangen und an das ZALF schicken. Biologin Walther bestimmt anschließend die Art und speist die Datenbank mit dem Fund.

Nachweise, dass Asiatische Tiger- und Buschmücken vor allem im Süden Deutschlands bereits vorkommen, gibt es schon seit einigen Jahren. In diesem Jahr wurden vergleichsweise viele der Exoten eingeschickt.

"Weil es so wenige einheimische Mücken gab, haben die Einwanderer möglicherweise einen Entwicklungsvorteil", sagt Walther. Welchen Einfluss sie auf die heimischen Arten haben, bleibt noch zu klären.

Mehrere Überwinterungsorte?

"Wir gehen davon aus, dass die Asiatische Tigermücke im Raum Freiburg bereits überwintert hat, inzwischen aber auch in Thüringen eine Population zu Hause ist", sagt die Mückenexpertin. Zudem liegen Hinweise aus Nordrhein-Westfalen und Bayern vor. Die Asiatische Buschmücke hat in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen umfangreiche Bereiche erobert.

Erste Vorkommen gebe es auch in Hessen und Bayern, so Walther."Tigermücken kommen immer wieder in Autos über die Alpen und werden an Raststätten freigesetzt", sagte der Parasitologe Egbert Tannich vom Hamburger Bernard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) zu Beginn des Sommers.

Schon damals zeichnete sich eine schwache Mücken-Saison ab. Auch der Gebrauchtreifen-Handel nutzt dem Mücken-Transfer: Per Schiff kommen Reifen aus Asien nach Europa, wo sie zerschreddert und für den Straßenbau genutzt werden. In kleinen Wasserpfützen in den Reifen legen die Mücken ihre Eier ab, die dann mit auf die Reise gehen. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Diabetikern wird der HbA1c-Wert nicht oft genug kontrolliert

Eigentlich sollten Ärzte mindestens zweimal im Jahr den HbA1c-Wert bei Typ-2-Diabetikern bestimmen. Bei jedem vierten Patienten messen sie ihn aber nur einmal oder gar nicht. mehr »

SPD will "Ende der Zwei-Klassen-Medizin"

Nach dem knappen Abstimmungsergebnis pro GroKo-Verhandlung geht es nun darum, die auf dem SPD-Sonderparteitag angesprochenen "Nachbesserungen" in den Koalitionsvertrag reinzuverhandeln. Die KBV reagiert skeptisch. mehr »

Beunruhigend hohe Zahlen in der Altenpflege

Altenpflegekräfte fehlen fast doppelt so oft wegen psychischer Erkrankungen wie andere Beschäftigte, heißt es im länderübergreifenden Gesundheitsbericht für Berlin und Brandenburg. mehr »