Ärzte Zeitung, 28.01.2016
 

Zehn Fälle seit 2013

Zika-Viren auch nach Deutschland eingeschleppt

Seit 2013 wurden zehn Fälle von Zika-Virus- Infektionen in Deutschland festgestellt.

HAMBURG/SAN JOSé. Das Zika-Virus haben schon mehrere Reisende nach Deutschland eingeschleppt. Das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin habe seit 2013 zehn Infektionen festgestellt, sagte der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit der Deutschen Presse-Agentur.

Alle Betroffenen hätten sich auf Fernreisen angesteckt. Der Experte geht von einer hohen Dunkelziffer aus. US-Präsident Barack Obama rief unterdessen zu größeren Anstrengungen bei der Erforschung des Erregers auf.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte kürzlich vor einer Ausbreitung des Erregers auf dem gesamten amerikanischen Kontinent gewarnt. Am Mittwoch wurden neue Zika-Infektionen aus Dänemark und Lateinamerika bekannt.

Schmidt-Chanasit hält es für denkbar, dass auch in Deutschland einigen Fällen eine Zika-Infektion die Ursache für Mikrozephalie bei Kindern sein könnte. Das ließe sich aber nur bei einer Häufung feststellen oder bei einer Reiseanamnese, betonte der Virologe.

Mann in Thailand infiziert

Erstmals wurde einer Studie zufolge in Deutschland 2013 ein Zika-Fall im Labor nachgewiesen. Ein Mann hatte sich auf einer Thailand-Reise angesteckt. Er war der erste registrierte Zika-Kranke Europas.

Ein genaues Bild von eingeschleppten Virus-Fällen in Europa gibt es nicht, denn sie sind nicht meldepflichtig. Es gibt laut Schmidt-Chanasit nur wenige Referenzzentren, die die Infektion diagnostizieren können: neben dem Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg noch das Pasteur-Institut in Paris und zwei weitere Einrichtungen in Großbritannien und den Niederlanden.

Jetzt steige die Zahl der Fälle täglich, weil sich mehr Patienten untersuchen ließen. So registrierten unter anderem Italien, Großbritannien, die Schweiz und Spanien bereits Infektionen.

Das Zika-Virus wurde erstmals auch bei einem Patienten in Dänemark entdeckt. Der Däne habe sich bei einer Reise nach Lateinamerika angesteckt und danach über Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen geklagt, teilte das Unikrankenhaus in Aarhus mit.

Er werde ambulant behandelt. "Sein Zustand ist gut", hieß es. (dpa)

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