Ärzte Zeitung, 24.10.2016
 

Besuch in der alten Heimat

Malaria-Prophylaxe fehlt oft

Malaria, Dengue, Chikungunya, Typhus: Mehrere tausend Infektionen durch tropische Erreger wurden im vergangenen Jahr nach Deutschland eingeschleppt. Die Meldungen nehmen zu, weil ein Teil der Erkrankungen bei Migranten und Flüchtlingen auftritt.

Von Wolfgang Geissel

Malaria-Prophylaxe fehlt oft

Durch konsequenten Mückenschutz können viele Infektionskrankheiten verhindert werden.

© chris74 / fotolia.com

BERLIN. Die häufigsten 2015 in Deutschland gemeldeten reiseassoziierten Erkrankungen waren mückenübertragene Infektionen wie Malaria, Dengue und Chikungunya, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI) (Epi Bull 2016; 39: 431). Der angemessene Mückenschutz in Risikoländern gehört daher zu den wichtigsten Themen der reisemedizinischen Beratung.

Magen-Darminfektionen werden bei Reisenden zwar meist nicht abgeklärt. An meldepflichtigen Erkrankungen wurden allerdings 455 Fälle von Bakterienruhr (Shigellose) registriert, die außer in Deutschland vor allem in Ägypten, Indien und Marokko erworben worden waren.

Hier ist der Trend aber nach Jahren rückläufig. Hinzu kommen 68 Fälle von Typhus, die vor allem bei nicht-geimpften Reiserückkehrern aus asiatischen Ländern wie Indien, Pakistan und Bangladesch auftraten. Etwa jeder sechste Betroffene war dabei ein nach Deutschland gekommener Flüchtling.

Mehr Malaria-Erkrankungen

Bei Malaria wurde 2015 mit 1068 Fällen und zwei Toten die höchste Zahl an Erkrankungen seit Einführung der Meldepflicht registriert.

Der Wiederanstieg der Infektionen seit ein paar Jahren wird vor allem auf Malaria bei Migranten zurückgeführt: Nur 20 Prozent der Betroffenen stammten aus der deutschen Allgemeinbevölkerung, 54 Prozent hatten einen Migrationshintergrund (28 Prozent davon waren Flüchtlinge). Bei einem guten Viertel der Erkrankungen fehlen allerdings Angaben zur Herkunft.

Etwa zwei Drittel der Erkrankungen wurden dabei als die besonders gefährliche Malaria tropica diagnostiziert, ein Drittel als Malaria tertiana. Auffällig ist die hohe Zahl von Infektionen bei Menschen, die Verwandte in Entwicklungsländern besucht haben.

Solchen Reisenden muss vor einem Besuch in ihrer früheren Heimat unbedingt eine Malaria-Prophylaxe ans Herz gelegt werden. Bei erneutem Kontakt mit dem Erreger können sie nämlich – anders als vor der Auswanderung – wieder lebensbedrohlich erkranken. Auch bei einer Schwangerschaft geht der natürliche Malaria-schutz verloren, sodass die Infektion wieder schwer verläuft.

Mit Malaria haben sich Reisende aus Deutschland im vergangenen Jahr vor allem in Afrika südlich der Sahara infiziert, weitere Risikoländer waren Eritrea und Pakistan. Die häufigsten Erkrankungen kamen aus Westafrika (Nigeria, Ghana, Kamerun, Togo) sowie Kenia und Tansania.

Malaria-Prophylaxe rückläufig

Nur zwölf Prozent der Reisenden hatten eine medikamentöse Prophylaxe vorgenommen, so das RKI. Am häufigsten wurden dabei Mefloquin (37 Prozent), Atovaquon-Proguanil (30 Prozent) und Doxycyclin (20 Prozent) verwendet. Der Anteil der Reisenden mit Malaria-Prophylaxe ist dabei seit einigen Jahren rückläufig.

Keine medikamentöse Prophylaxe und auch keine Impfung gibt es in Deutschland gegen das Dengue-Fieber. Dieses war 2015 mit 722 gemeldeten Fällen die zweithäufigste reiseassoziierte Krankheit. Die meisten Infektionen brachten Reisende dabei aus Thailand und Indonesien mit.

Weitere Hotspots in Südasien waren hier Indien, Philippinen, Vietnam, Malaysia und Kambodscha. Aber auch aus Lateinamerika wurden etliche Erkrankungen eingeschleppt, aus Brasilien, Kuba und Costa Rica. Bei zwei Betroffenen gab es einen schweren hämorrhagischen Verlauf.

Schwerpunkt der Chikungunya-Infektionen ist Lateinamerika. Bei Ausbrüchen mit vielen Tausend Erkrankten in der Karibik sowie Mittel- und Südamerika haben sich vor allem im vergangenen Frühjahr auch viele Reisende angesteckt: 109 Fälle wurden 2015 an das RKI gemeldet, die meisten davon waren in Kolumbien, Nicaragua und Jamaika erworben worden. Einige Fälle wurden auch aus Indien und und Indonesien eingeschleppt.

Besondere Aufmerksamkeit gilt zurzeit den Zikavirus-Infektionen. 2015 wurden in Deutschland 45 eingeschleppte Fälle gemeldet und 2016 bisher 43. Häufigste Symptome waren Ausschlag, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Gelenkbeschwerden, geschwollene Lymphknoten und Konjunktivitis.

Infektionen bei Schwangeren gab es nicht, auch keine Fälle von Guillain-Barré-Syndrom oder Mikrozephalie bei Neugeborenen. Fünf Erkrankte waren stationär behandelt worden. In einem Fall ist der Erreger sexuell übertragen worden.

Infektionen wurden am häufigsten in Brasilien, Kolumbien, Venezuela, in der Karibik und in Mittelamerika erworben. Auch ZikaInfektionen können durch konsequenten Mückenschutz weitgehend vermieden werden.

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