Ärzte Zeitung, 15.11.2016

Mayaro-Virus

Neue Gefahr in der Karibik?

Ein weiteres von Mücken übertragenes Virus breitet sich offenbar in der Karibik aus.

DÜSSELDORF. Eine aktuelle Untersuchung deutet darauf hin, dass sich das noch wenig bekannte Mayaro-Virus ausbreitet. Nach vereinzelten Ausbrüchen in Regionen nahe des Amazonas-Regenwaldes, die in der Vergangenheit örtlich begrenzt blieben, haben Wissenschaftler das Virus nun auch bei einem an Fieber erkrankten Kind in Haiti nachgewiesen.

Der aktuelle Fall könnte ein Hinweis sein, dass der von Mücken übertragene Erreger bereits in der Karibik zirkuliere, schreiben die Forscher in einer aktuellen Veröffentlichung (Emerg Infect Dis. 2016; 22 (11): 2000-2002). Eine mögliche Ausbreitung des Virus müsse sorgfältig beobachtet werden, teilt das CRM Centrum für Reisemedizin mit. Reisende sollten sich bei Aufenthalten in tropischen und subtropischen Regionen sorgfältig vor Mückenstichen schützen. Mückenübertragene Infektionen sind dort weit verbreitet.

Das Mayaro-Virus gehört, ebenso wie das Chikungunya-Virus, zur Gattung der Alphaviren. Der durch Stechmücken übertragene Erreger wurde 1954 in Trinidad entdeckt. Zu den Symptomen einer Mayaro-Infektion zählen Fieber, Muskel- und Gelenkbeschwerden, Kopf- und Augenschmerzen sowie Hautausschlag. Mitunter kommt es auch zu Bauchschmerzen, Erbrechen und Schwindel. Nach derzeitigem Wissensstand heilt die Erkrankung meist folgenlos aus.

"Eine Infektion mit dem Mayaro-Virus ähnelt in ihrer Symptomatik sehr dem Dengue- und Chikungunya-Fieber", wird Professor Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin in der Mitteilung zitiert. Die Ärzte, die das Virus bei einem Jungen aus Haiti diagnostiziert hatten, warnen deshalb vor einer Verwechslungsgefahr mit den beiden bekannteren Erkrankungen.

"Das Virus könnte in der Karibik theoretisch schon viel häufiger aufgetreten und damit unterdiagnostiziert sein", erläutert Jelinek. Das Virus ist bislang wenig erforscht. So ist sein Potenzial Epidemien zu verursachen, nicht bekannt. "Es ist wichtig, eine mögliche Ausbreitung dieses Virus genau im Blick zu behalten", so Jelinek in der Mitteilung weiter.

"In den vergangenen Jahren haben wir bereits an den Beispielen Chikungunya- und Zika-Virus erlebt, wie sich vormals lokal begrenzte Infektionen in kurzer Zeit rasant verbreiteten und Erreger teils erst dann ihr ganzes gesundheitliches Schadenspotenzial offenbarten."Bei Aufenthalten in tropischen und subtropischen Regionen sollten sich Urlauber stets vor Mückenstichen schützen. CRM-Experten empfehlen Reisenden, helle und möglichst geschlossene Kleidung zu tragen sowie freie Hautstellen mit Repellents zu schützen.

 Die chemischen Substanzen wehren Insekten ab. Für Aufenthalte in den Tropen und Subtropen eignen sich Mittel mit dem Wirkstoff DEET in einer Konzentration ab 30 Prozent. Nachts schützen über dem Bett angebrachte Moskitonetze vor Stichen. (eb)

Topics
Schlagworte
Infektionen (14403)
Reise (2187)
Organisationen
CRM (691)
Krankheiten
Infektionen (4453)
Personen
Tomas Jelinek (334)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »

Rettungsgasse blockieren kostet 320 Euro

Länderkammer verschärft die Bußgeldhöhe, wenn Rettungsgassen nicht beachtet werden. mehr »

Bei der Gründung eines Ärztezentrums kann es zugehen wie bei "Dallas"

Neid und Missgunst haben schon manche Versuche torpediert, in der Provinz ein Ärztezentrum zu etablieren. Ärzte in Schleswig-Holstein berichten, wie man verhindert, dass Kirchturmdenken siegt. mehr »