Ärzte Zeitung online, 21.02.2017

Reisemedizin

Zahl der importierten Malaria-Erkrankungen deutlich gestiegen

Die Zahl der Malaria-Erkrankungen in Deutschland ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Die unspezifische Symptomatik führt immer wieder zu potenziell lebensbedrohlichen Fehldiagnosen.

Von Thomas Meissner

Zahl der importierten Malaria-Erkrankungen deutlich gestiegen

Menschen mit afrikanischem Mitgrationshintergrund, die Afrika besuchen, sind eine Risikogruppe, den Malaria-Erreger einzuschleppen.

© Oliver Kühl / Refudocs

"Im Jahr 2015 wurde in Deutschland die bisher höchste Fallzahl an Malaria-Erkrankungen seit Bestehen der Meldepflicht registriert", heißt es im Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Oktober 2016. Waren früher pro Jahr 500 bis 600 importierte Malaria-Erkrankungen gezählt worden, waren es 2014 über 1000 und im Jahre 2015 bereits 1068 gemeldete Malaria-Fälle.

Zurückzuführen ist dieser Anstieg auf den Flüchtlingsstrom, vor allem aus Afrika. Eine besondere Risikogruppe sind Migranten, die Verwandte oder Freunde in der alten Heimat besuchen. 20 Prozent der Patienten sind laut RKI deutscher Herkunft, meist bringen sie die Erreger aus dem Urlaub oder von Geschäftsreisen in Endemiegebiete mit.

Unspezifische Symptome

"Auch in Deutschland werden leider immer wieder Fehldiagnosen gestellt und dadurch schwerwiegende, gegebenenfalls sogar tödliche Verläufe möglich", schreiben Dr. Martin Alberer und seine Kollegen von der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin an der Ludwig-Maximilian-Universität München in einem Fortbildungsbeitrag (Monatsschrift Kinderheilkunde 2016; 164: 705-718).

2015 waren zwei Deutsche an Malaria gestorben. Auch Professor Gerd-Dieter Burchard vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg betont: "Die Diagnose muss schnell veranlasst werden." Burchhard verweist auf eine aktuelle Studie aus England, wonach die verzögerte Diagnostik die wesentliche Ursache für tödliche Verläufe ist (pädiatrie hautnah 2016; 28: 31-34).

Am häufigsten werden derzeit die Erregerspezies Plasmodium (P.) falciparum und P. vivax gefunden. P. falciparum löst die gefürchtete Malaria tropica aus, P. vivax die Malaria tertiana. "Bei Fieber bis zu vier Monate nach Rückkehr aus einem Endemiegebiet besteht der dringende Verdacht auf eine Malaria tropica", so Alberer und Kollegen. Bei Menschen mit bestehender Teilimmunität könne allerdings auch noch Jahre nach dem letzten Aufenthalt die Malaria tropica Ursache für Fieber sein. Laut Burchard verlieren sich eventuell erworbene Teilimmunitäten bei Migranten rasch und bieten keinen Schutz.

Das plötzlich auftretende Fieber, Schüttelfrost sowie Kopf- und Gliederschmerzen sind die typischen, aber auch unspezifischen Symptome aller Malariaformen. Burchard fordert daher klar: "Man muss bei jedem Patienten mit Fieber an Malaria denken!" Als typische Laborveränderungen nennt er Thrombozytopenie, Hyperbilirubinämie sowie eine LDH-Erhöhung. Das C-reaktive Protein und Procalcitonin können mäßig erhöht sein. Bei Malaria tropica treten unter Umständen rasch Bewusstseinsstörungen und Nierenfunktionsstörungen bis hin zum akuten Nierenversagen auf oder auch ein ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome). Der Verlauf sei nicht vorherzusehen, so der Experte.

"Dicker Tropfen" als Nachweis

Innerhalb von 24 Stunden muss ein Laborergebnis vorliegen. Malaria-Schnelltests beruhen auf dem Nachweis Plasmodien-spezifischer Antigene, können aber gelegentlich falsch-negativ ausfallen. Notwendig ist daher weiterhin der direkte Erregernachweis im Blutausstrich unter dem Mikroskop – der bekannte "dicke Tropfen". Ist dieser Befund negativ und der Malaria-Verdacht besteht weiterhin, gilt erst ein dreimalig negativer Ausstrich im Abstand von jeweils zwölf bis 24 Stunden als relativ sicherer Ausschluss einer Malaria.

Außer den üblichen weiteren Laborparametern wird empfohlen, Blutproben zur Kultivierung abzunehmen. Die Speziesdifferenzierung der Plasmodien erfolgt per Polymerasekettenreaktion. Bei Malaria tropica wird zudem die Parasitendichte im Blut bestimmt. Eine hohe Dichte, die von manchen Experten bereits bei ein bis zwei Prozent der befallenen Erythrozyten definiert wird, geht mit einer schlechten Prognose einher.

Patienten mit Malaria tropica werden in Deutschland stets stationär behandelt. Treten Komplikationen auf, ist die intensivmedizinische Betreuung nötig. "Eine unkomplizierte Malaria tertiana oder Malaria quartana ist auch ambulant behandelbar", so Alberer. Die Behandlung erfolgt bevorzugt mit Artemisinin-basierten Kombinationstherapien. Im Verlauf werden an den Tagen 7 und 28 erneute Malaria-Tests vorgenommen. Bei Splenomegalie soll wegen der Gefahr lebensbedrohlicher Milzrupturen bis zu sechs Wochen nach einer Malaria das Risiko für abdominelle Traumata, wie es etwa bei bestimmten Sportarten besteht, minimiert werden.

[23.02.2017, 12:37:53]
Horst Grünwoldt 
Die Malaria
Natürlich können Heimkehrer aus tropischen Ländern malariakrank wieder in unsere unterkühlten Regionen zurückkommen; und Migranten schon malaria-infiziert ebenso zu uns einwandern.
Das bedeutet aber noch nicht, dass die eine Infektions-Quelle für uns Einheimische darstellen. Davor schützt uns bekanntlich immer noch das gemäßigt-wechselwarm/kalte Klima und folglich die fehlende (weibliche) Anopheles-Mücke! Und die seltene "Tiger-Mücke" muß fiktiv erst einmal einen zyklisch Malaria-Kranken unter uns finden...
Wenn die Reisemedizin unseren Touristen empfiehlt, möglichst Nacht-Unterkünfte mit funktionierenden Klimaanlagen, oder alternativ das eigene, lochfreie Moskitonetz für die Nachruhe mitzubringen, und sich beim "Absacker" auf der nächtlichen Terrasse bekleidet zu halten, und die restliche Haut mit einem Mücken-Repellant (z.B. mit Zitronellagras) einzureiben, dann dürfte die Malaria (ital. "schlechte Luft") in der Ferne zu Hause bleiben.
Mit dieser schlichten Rezeptur hat der unterzeichnete Tropen-Hygieniker mehrere Jahre am malaria-verseuchten Golf von Guinea anfallsfrei überlebt.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock zum Beitrag »

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