Ärzte Zeitung online, 23.06.2017
 

Hantaviren

Schwangere sollten Orte mit Mäusen meiden

Das erhöhte Risiko für Hantavirus-Infektionen gefährdet Schwangere, warnen Frauenärzte.

Schwangere sollten Orte mit Mäusen meiden

Da das Hantavirus in Mäusekot und in mit Mäuseurin kontaminiertem Staub lange überleben kann, sollten Schwangere die Arbeit etwa in Schuppen und Ställen vermeiden oder einen Atemschutz tragen.

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MÜNCHEN. In Deutschland ist in diesem Jahr das Risiko für Infektionen mit Hantaviren deutlich erhöht: 747 Erkrankungen wurden bis Anfang Juni (22. KW) an das Robert Koch-Institut (RKI) gemeldet und damit elf Mal mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum (67 Erkrankungen). Die meisten Fälle gibt es in Baden-Württemberg.

Schwangere sind von den schwer verlaufenden Infektionen bedroht, warnt der Berufsverband der Frauenärzte in einer Mitteilung. Anders als zum Beispiel die Erreger von Syphilis oder Toxoplasmose schädigen Hantaviren in der Schwangerschaft zwar das ungeborene Baby nicht, so die Fachgesellschaft. Erkranken Schwangere aber selbst mit hohem Fieber, werden dadurch vorzeitige Wehen und eine Frühgeburt begünstigt.

"Frauen mit Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft sollten die typischen Infektionswege vermeiden", betont Dr. Christian Albring, der Präsident des Berufsverbandes in der Mitteilung. "Das ist nicht schwer. Das Virus befällt normalerweise Mäuse und andere Nagetiere. Es überlebt über lange Zeit im Mäusekot und Staub, der mit dem Urin der Mäuse kontaminiert ist. Beim Einatmen des Staubs nimmt man das Virus durch die Atemwege auf."

Das RKI empfiehlt daher, vor Arbeiten in Dachböden, Kellern, Scheunen, Gartenschuppen und Ställen, mindestens eine halbe Stunde gründlich zu lüften sowie einen gut anliegenden Atemschutz und Gummihandschuhe zu tragen. Der Staub sollte nass gewischt, nicht aufgewirbelt und nicht mit dem Staubsauger aufgesaugt werden. Tote Mäuse sollten nicht im Biomüll entsorgt werden, sondern immer in einer Kunststofftüte mit dem Hausmüll.

Der Berufsverband empfiehlt Schwangeren, sich am besten von Orten mit möglichem Mäusebefall fernzuhalten. Ist ein Kontakt mit Mäusekot nicht zu vermeiden, etwa bei Mäusebefall im Haus, dann lässt sich die Infektionsgefahr durch die Hygienemaßnahmen erheblich reduzieren. (eb)

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