Ärzte Zeitung online, 12.10.2017

Neugründung

Netzwerk für Phagen-Forschung und Anwendung

Sie gelten als mögliche Alternative zu Antibiotika: Bakteriophagen. In Deutschland wurde die Forschung zu den "Bakterienkillern" lange vernachlässigt. Ein neues bundesweites Netzwerk soll dies ändern.

Netzwerk für Phagen-Forschung und Anwendung

PD Dr Wolfgang Beyer, Wissenschaftlicher Leiter des 1. Deutschen Phagensymposiums im Gespräch

© University of Hohenheim, Joachim E. Röttgers

STUTTGART. Wissenschaftler und Vertreter von Pharma-Unternehmen haben beim 1. Deutschen Bakteriophagen-Symposium an der Universität Hohenheim in Stuttgart die Gründung eines neuen bundesweiten Netzwerkes beschlossen. Hintergrund ist, dass es zwar bereits seit vielen Jahrzehnten Institute gibt, die zum Beispiel Phagenlösungen therapeutisch nutzen. In Deutschland gibt es derzeit allerdings noch keine Ärzte, die eine Phagentherapie standardmäßig vornehmen. Studien zur Phagentherapie blieben meist in den Anfängen stecken.

Inhalte und Aufgaben des neu gegründeten Forums sollen daher nach Auskunft der Uni Hohenheim sein:

  • verschiedene Disziplinen in Natur- und Umweltwissenschaften, Gesundheitswesen, Medizin, Pharmazie, Landwirtschaft, Ernährungs- und Wirtschaftswissenschaften zu vernetzen
  • Bedarfsträger, Forschung, Wirtschaft, Zulassungsbehörden, Fördermittelgeber und gesellschaftliche Akteure miteinander ins Gespräch zu bringen, um mithilfe von Bakteriophagen neue Lösungen zu entwickeln für human- und veterinärmedizinische Therapien, Lebensmittelhygiene und Umweltsanierung. Auch die Anwendung in kosmetischen Produkten und in möglichen weiteren Anwendungsfeldern soll gefördert werden.
  • deutsche Phagenforschung in bereits bestehende internationale Netzwerke einzubinden und produktive Partnerschaften zu fördern
  • wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern und Forschungsaktivitäten anzubahnen.
  • Wie die Universität mitteilt, können interessierte Wissenschaftler und Fachleute auf dem Gebiet der Phagenforschung und -anwendung sich ab sofort mit dem Forschungszentrum für Gesundheitswissenschaften in Verbindung setzen unter: https://health.uni-hohenheim.de/phagen(eb)

    Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

    Schreiben Sie einen Kommentar

    Überschrift

    Text

    Die Newsletter der Ärzte Zeitung

    Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

    Nicht immer geht's sofort zum Arzt

    20- bis 50-jährige Patienten in Deutschland sind offenbar leidensfähig. Denn sie verschieben den Arztbesuch oft um Wochen oder Jahre, obwohl sie Beschwerden haben. mehr »

    Zusätzliche Vergütung für offene Sprechstunden

    Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will Ärzte für offene Sprechstunden besser bezahlen. Die zusätzliche Vergütung soll für bestimmte Arztgruppen eingeführt werden. mehr »

    Bei Meniskusriss nicht vorschnell operieren

    Ärzte sollten bei Meniskusrissen nicht gleich eine arthroskopische Operation einleiten. Oft kommen Betroffene auch mit Gymnastik und Physiotherapie zum Ziel. mehr »