Ärzte Zeitung online, 30.10.2017

Reisemedizin

Warnung vor Leptospirose in Thailand

Überschwemmungen in Ost- und Zentralthailand erhöhen die Infektionsgefahr für Leptospirose.

DÜSSELDORF. In Thailand wurden dieses Jahr bereits 2425 Erkrankungen und 47 Todesfälle durch Leptospirose gemeldet, berichtet das CRM Centrum für Reisemedizin in einer Mitteilung. Nun ist nach Unwettern die Infektionsgefahr weiter erhöht: In Wasser und Schlamm können die Leptospiren lange überleben

"In die Umwelt gelangen die Bakterien über den Urin infizierter Nagetiere, aber auch von Haus- und Nutztieren wie Hunden, Schweinen und Rindern", erklärt Professor Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. "Ihre Infektiosität bleibt vermutlich über Monate hinweg bestehen." Menschen infizieren sich entweder durch den direkten Kontakt mit erregerhaltigem Urin oder den Kontakt mit einer kontaminierten Umwelt, wobei die Bakterien über Hautläsionen oder die Schleimhäute in den Körper gelangen. "Reisende, insbesondere Rucksacktouristen und Expeditionsteilnehmer, sollten den Kontakt mit Süßwasser-Gewässern und Schlamm in den betroffenen Gebieten unbedingt meiden," rät Jelinek. Zu einem solchen direkten Kontakt komme es beispielsweise auch beim Wasserfallklettern oder bei Sportaktivitäten wie Schwimmen. Zudem sollten Touristen sich ebenfalls von Tieren fernhalten.

Der Großteil der Erkrankungen verläuft mild: Nach ein bis zwei Wochen Inkubationszeit kommt es zu grippeartigen Symptomen wie hohes Fieber, Schüttelfrost sowie starke Kopf- und Muskelschmerzen. Oft treten gerötete Schleimhäute und eine Konjunktivitis auf. Im zweiten Stadium können Organe betroffen sein: Bei Beteiligung von Nieren und Leber mit Ikterus spricht man von Morbus Weil. Sind Lunge oder Gehirn betroffen, kann es zu Bronchitis, Meningitis oder Meningoenzephalitis kommen. "Dann sollte schnellstmöglich eine Antibiotika-Therapie erfolgen, etwa mit Penicillin G oder Doxycyclin", erläutert Jelinek. Ohne Behandlung verlaufen zwei bis zehn Prozent der Erkrankungen tödlich. "Je nach Expositionsgefahr kann auch eine prophylaktische Einnahme von Doxycyclin erwogen werden", ergänzt Jelinek.

Leptospirose tritt vorwiegend in dem Tropen und Subtropen auf, etwa in der Karibik, Brasilien, China, Indien und Malaysia. In den gemäßigten Breiten kommt die Erkrankung hauptsächlich im Sommer und Herbst vor Vorwiegend sind bestimmte Berufsgruppen wie Bauern, Kanalarbeiter, Metzger oder Veterinäre betroffen. (eb/eis)

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