Ärzte Zeitung online, 17.05.2018

Immunologie

"Universal-Antikörper" macht verschiedene Erreger unschädlich

HEIDELBERG. Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben Antikörper entdeckt, die nicht nur ein bestimmtes Bakterium, sondern verschiedene Mikroorganismen zugleich unschädlich machen können.

Wie das DKFZ mitteilt, erkennen die neu entdeckten Antikörper eine Zuckerstruktur, die sich auf der Oberfläche verschiedener Keime befindet. So reiche eine begrenzte Zahl von Antikörpern aus, um eine große Vielfalt an Mikroorganismen zu kontrollieren.

In ihrer Studie untersuchten die Forscher Antikörper gegen Klebsiella pneumoniae aus dem Blut von gesunden Personen (Nat Immunol 2018; online 14. Mai). "Diese Antikörper schützten vor verschiedenen Untergruppen von Klebsiella pneumoniae. Sie waren aber nicht auf diesen Erreger beschränkt, sondern erkannten auch andere Bakterien und sogar bestimmte Hefen und Viren", wird DKFZ-Forscherin Professor Hedda Wardemann zitiert.

Wirkung durch ein einziges Molekül

Wie ihnen das gelingt, zeigte ein genauerer Blick auf die Zuckerstrukturen auf der Oberfläche der Keime: Alle Mikroorganismen, an die sich die Klebsiella-Antikörper anheften konnten, trugen eine kleine Struktur aus Mannose. Antikörper zu bilden, die diese Zuckerstruktur auf diversen Mikroorganismen erkennen, erlaubt dem Immunsystem die effiziente Abwehr verschiedener Krankheitserreger – und dies mit nur einer einzigen Art Molekül.

Dass das Immunsystem diese "Universal-Antikörper" gegen Klebsiella pneumoniae und andere Mikroorgansimen produzieren kann, sei bislang unbekannt gewesen. Angesichts zunehmender Antibiotikaresistenzen gewinne der mögliche therapeutische Einsatz von Antikörpern an Bedeutung, so Wardemann.

In ersten Untersuchungen haben sich die Klebsiella-Antikörper bereits als wirksam erwiesen: "Bei Mäusen waren die Antikörper in der Lage, verschiedene Untergruppen von Klebsiella zu neutralisieren und die Tiere zu schützen", berichtet Wardemann. "Als nächstes sind weitere Tests notwendig, um den klinischen Nutzen der Antikörper auch bei Menschen zu zeigen." (eb)

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