Ärzte Zeitung online, 14.09.2018

Friedrich-Loeffler-Institut

Dritter West-Nil-Virus-Fall in Deutschland

In Südeuropa sind in diesem Jahr auffällig viele Menschen am West-Nil-Fieber erkrankt. In Deutschland wurde nun der dritte Fall bei einem Vogel nachgewiesen. Die Suche nach den Überträgern läuft.

Dritter West-Nil-Virus-Fall in Deutschland

Dieses von den Centers for Disease Control zur Verfügung gestellte Foto aus dem Jahr 2012 zeigt eine elektronenmikroskopische Aufnahme des West-Nil-Virus.

© Cynthia Goldsmith/CENTERS FOR DISEASE CONTROL/EPA/dpa

DRICH /ERLANGEN. In Deutschland haben Experten innerhalb weniger Tage drei Fälle von West-Nil-Fieber bei Vögeln nachgewiesen. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) habe den Erreger bei einem Habicht aus Sachsen-Anhalt entdeckt, teilte der Landkreis Anhalt-Bitterfeld am Donnerstag mit.

Der Vogel sei Anfang September in Weißandt-Gölzau gefunden worden. Erstmals bei einem Vogel in Deutschland wurde das Virus vor zwei Wochen bei einem gestorbenen Bartkauz aus dem Zoo Halle/Saale nachgewiesen. Beide Fundorte liegen etwa 25 Kilometer voneinander entfernt. Auch im oberbayerischen Kreis Ebersberg starb ein Bartkauz in einem Wildpark in Poing an dem Erreger, wie das zuständige Landesamt in Erlangen mitteilte.

Südeuropa besonders betroffen

In südeuropäischen Ländern waren in diesem Jahr auffällig viele Menschen am West-Nil-Fieber (WNF) erkrankt. Griechenland registrierte in diesem Jahr bereits 180 Infizierte und zudem 22 Todesfälle.

In Deutschland tritt die Erkrankung generell sehr selten auf. Haben sich Menschen infiziert, so ist das nach Angaben des Robert Koch-Instituts im Ausland passiert.

Das FLI geht davon aus, dass es in Deutschland in diesem Jahr bei Einzelfällen von infizierten Vögeln bleibt. Denn die Mückensaison gehe langsam zu Ende und der Erreger überdauere in den Insekten nicht sehr lange, sagte eine FLI-Sprecherin. Über den Winter werde sich das Virus daher wohl auch nicht halten.

Wie kommt das West-Nil-Virus zum Menschen?

Die Übertragung auf den Menschen sei ohnehin eher unwahrscheinlich: "Zunächst muss ein Tier infiziert sein. Dann muss die Mücke den Erreger aufnehmen und in sich vermehren und dann auf den Menschen übertragen. Das ist eine ziemlich lange Kette."

Nach dem Fund in Halle Ende August haben Experten dort Mücken gesammelt und untersucht. Die Ergebnisse werde es im Lauf der nächsten Woche geben, so die FLI-Sprecherin. Bislang ist unbekannt, auf welchem Weg der Erreger den Bartkauz dort infizierte. Allerdings gehen die Forscher davon aus, dass auch hiesige Stechmücken-Arten das Virus übertragen können. (dpa)

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