Ärzte Zeitung, 16.07.2013

Sinusitis-Komplikationen

S. aureus nach Impfung auf dem Vormarsch

Nach Einführung der Pneumokokken-Impfung in den USA hat sich dort das Erregerspektrum bei orbitalen Sinusitis-Komplikationen verschoben: Statt Kokken siedeln sich vermehrt S. aureus an, viele davon Methicillin-resistent.

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Eine Bakterienkultur. Durch Impfungen verändert sich das Erregerspektrum, so eine Studie.

© picprofi / fotolia.com

WASHINGTON. Mit der Einführung von neuen Impfstoffen sind Verschiebungen im Erregerspektrum zu erwarten: Die Erreger, gegen die sich die Impfstoffe richten, verschwinden, andere nehmen zum Teil ihren Platz ein.

So sank in den USA die Zahl der invasiven Pneumokokken-Erkrankungen bei Kindern unter zwei Jahren um 76 Prozent, seit dort im Jahr 2000 ein siebenvalenter Pneumokokken-Impfstoff eingeführt wurde.

Was als Folge der Pneumokokken-Impfung in den USA mit dem Erregerspektrum orbitaler Komplikationen bei einer Sinusitis geschah, haben nun HNO-Ärzte um Dr. Maria Peña vom Children's National Medical Center in Washington DC genauer untersucht (JAMA Otolaryngol Head Neck Surg 2013; 139(3): 223-227).

2003 beginnt die Ära der Impfungen

Erkrankungen bis Ende 2002 rechneten sie noch zur Ära vor der Pneumokokken-Impfung, ab 2003 zur Ära mit Impfung, weil dann etwa 70 Prozent der infrage kommenden Kinder bereits die dritte Impfdosis erhalten hatten und selbst die Ungeimpften von der Herdimmunität profitierten.

Teilnehmer der Studie waren 128 Kinder, die bis zum Jahr 2002 erkrankten, sowie 145 Kinder, die ab 2003 wegen Orbital-Komplikationen behandelt wurden. Die Kinder waren im Schnitt etwa sechs bis sieben Jahre alt, als sie krank wurden, und mussten vor Beginn des Jahres 2003 sieben Tage, danach noch fünfeinhalb Tage stationär wegen der Komplikationen behandelt werden.

Dazu zählten die Ärzte etwa periorbitale Entzündungen, orbitale Zellulitis sowie subperiosteale und orbitale Abszesse.

Bis Ende 2002 ließ sich im Blut, in den Sinus oder Abszessen bei 22 Prozent Streptococcus pneumoniae nachweisen, danach trat der Erreger dort nicht mehr auf. Auch Streptococcus viridans verschwand in der Impfära, zuvor war er noch bei 12 Prozent der Patienten vertreten.

MRSA hat sich ausgebreitet

Den Platz dieser Keime nahm vor allem Staphylococcus aureus ein: Der Erreger steigerte seine Prävalenz von 20 Prozent auf 42 Prozent. Bedenklich war, dass sich S. aureus hierbei in über der Hälfte der Proben als Methicillin-resistent erwies. Auch Streptococcus pyogenes nützte die Abwesenheit der Pneumokokken und war plötzlich in einem Drittel der Proben vorhanden, zuvor kaum in Erscheinung getreten.

Eine ähnliche Studie aus Texas war zu vergleichbaren Ergebnissen gekommen, wobei S. aureus dort in drei Viertel der Proben auftauchte. Als Konsequenz aus der zunehmenden Prävalenz von MRSA empfehlen die Studienautoren, bei orbitalen Sinusitis-Komplikationen Antibiotika zu verwenden, die auch diese Keime noch angreifen.

Da das Erregerspektrum regional aber stark variiert, lassen sich die Ergebnisse und Schlussfolgerungen nicht unbedingt auf Deutschland übertragen. Doch auch hier dürfte es zu einer deutlichen Verschiebung des Erregerspektrums bei Orbitalkomplikationen gekommen sein, seit im Jahr 2006 eine Pneumokokken-Impfung für Kinder empfohlen wird. (mut)

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