Ärzte Zeitung, 20.01.2017
 

Akute Rhinosinusitis

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Bei rezidivierender akuter Rhinosinusitis ist eine Operation indiziert, wenn Patienten vier bis sechs Episoden über höchstens vier Wochen mit asymptomatischen Phasen zwischen den Infektionen gehabt haben.

Von Peter Leiner

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Wie lässt sich eine rezidivierende akute Rhinosinusitis am besten behandeln?

© Pixland / Thinkstock

NEW YORK. Laut der HNO-Ärzte Dr. Alexandra Michalowski und Professor Ashutosh Kacker vom New York-Presbyterian/Weill Cornell Medical College in New York gibt es zwar detaillierte Angaben dazu, wie bei rezidivierenden akuten Rhinosinusitiden medikamentös vorzugehen ist.

Wann jedoch ein chirurgischer Eingriff als Alternative zu Antibiotika und Steroiden erfolgen solle, sei nicht klar definiert. Anhand mehrerer Publikationen machen sie Vorschläge dazu, ob und wann eine Sinusoperation bei wiederholter akuter Rhinosinusitis sinnvoll ist (Laryngoscope 2016; online 1. Dezember).

Folgen und Risiken abwägen

So wird etwa in einer Studie aus dem Jahr 2006 die endoskopische Sinusoperation jenen Patienten empfohlen, die die Symptome durch nasal verabreichte Steroide beziehungsweise Antihistaminika oder Sprays mit abschwellender Wirkung nicht lindern konnten (Laryngoscope 2006; 116: 1805–1808).

Empfohlen wurde zudem, die Nasennebenhöhlen per Sonografie und Computertomografie während eines nicht infizierten Zustands zu untersuchen. Wenn die Diagnose einer rezidivierenden akuten Rhinosinusitis noch nicht eindeutig sei, soll der Empfehlung zufolge eine nasale Endoskopie während einer akuten Infektion erfolgen, bevor ein chirurgischer Eingriff gemacht wird.

Unabhängig davon, ob die klinischen Voraussetzungen für eine Sinusoperation gegeben sind, hängt die Entscheidung für den Eingriff in nicht geringem Umfang auch von der Motivation und dem Lebensstil des Patienten ab, wie Michalowski und Kacker schreiben.

Patienten sollten abwägen zwischen den Folgen einer kontinuierlichen Behandlung aufgrund der rezidivierenden Rhinosinusitis – mit Beeinträchtigung von Produktivität und mit verlorener Arbeitszeit – und der Zeit, die für die Operation und die Erholungsphase danach erforderlich sei.

Zwar gebe es Risiken im Zusammenhang mit dem chirurgischen Eingriff, doch sei auch mit Risiken durch die medikamentöse Therapie zu rechnen, etwa mit gastrointestinalen Nebenwirkungen der Antibiotikatherapie sowie Resistenzentwicklung.

Der Studie zufolge werde durch die Sinusoperation bei wiederholter akuter Rhinosinusitis die Lebensqualität ähnlich gut verbessert wie nach dem Eingriff bei chronisch rezidivierender Rhinosinusitis. Die Lebensqualität werde postoperativ mindestens 19 Monate lang gebessert.

Leitlinie wird überarbeitet

Zudem hätten die Patienten 50 Prozent weniger Infektionen verglichen mit der Situation vor dem Eingriff. Außerdem gäben die Patienten unter anderem an, seltener Steroide zu verwenden und weniger häufig am Arbeitsplatz zu fehlen.

Michalowski und Kacker empfehlen als optimale Vorgehensweise bei rezidivierender akuter Rhinosinusitis, Patienten zumindest in einem Zyklus mit einem nasalen Steroidspray oder mit einem oralen Steroid zu behandeln und eine Computertomografie der Nasennebenhöhlen vorzunehmen, bevor eine Sinusoperation erwogen wird.

Die Operationsverfahren schließen die Möglichkeit einer maxillären Antrostomie und einer beidseitigen anterioren Ethmoidektomie ein.

Der deutschen Leitlinie von 2011 zu Rhinosinusitis zufolge, deren Gültigkeit Anfang 2016 endete und die derzeit überarbeitet wird, ist etwa "eine unkomplizierte, aber wiederholte akute bakterielle Rhinosinusitis mit einem durch Bildgebung und/oder Endoskopie zu vermutenden Defizit der regulären Ventilation und Drainage" eine Indikation zur Operation.

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