Ärzte Zeitung, 05.07.2007

Sommerakademie 2007

Bei Lungenhochdruck gibt es spezifische Therapien

Prognose durch medikamentöse Behandlung signifikant verbessert  / Früherkennung in der Hausarztpraxis wichtig

Lange gab es für Patienten mit Lungenhochdruck keine spezifischen Therapien. Heute stehen Medikamente zur Verfügung, mit denen das Überleben der Patienten und die Lebensqualität verbessert werden können. Wichtig ist die Früherkennung in der Hausarztpraxis etwa durch eine genaue Anamnese und eine frühzeitige Echokardiografie bei Risikopatienten.

Eine Echokardiografie des rechten Herzens ist die wichtigste Untersuchung bei Patienten mit Verdacht auf pulmonal-arterielle Hypertonie. Foto: Klaro

Die Diagnose bei Patienten mit pulmonal-arterieller Hypertonie (PAH) wird oft erst in fortgeschrittenen Stadien gestellt. "Daran denken!" ist deshalb das wichtigste, was niedergelassene Ärzte zur frühen PAH-Diagnostik beitragen können. Leider durchlaufen PAH-Patienten vorher meist eine Odyssee, sagt der Pneumologe Dr. Jörg Winkler aus Leipzig. Zahlen belegen: Die Zeit vom Beginn der Beschwerden bis zur Diagnosestellung beträgt im Schnitt zweieinhalb Jahre. Und: 75 Prozent der Patienten haben mindestens drei Ärzte konsultiert, bevor die Diagnose PAH gestellt wurde, so Winkler.

Bei unklarer Dyspnoe kann PAH die Ursache sein

Die Symptome Dyspnoe, Schwindel und Abgeschlagenheit sind bei PAH zwar häufig, aber unspezifisch. Treten sie bei Patienten mit hohem PAH-Risiko auf, etwa bei Kollagenosen, Herzfehlern mit Links-Rechts-Shunt oder HIV-Infektion, dann sind weitere diagnostische Schritte nötig, sagt Privatdozent Stephan Rosenkranz von der Universität Köln. Das wichtigste Screening-Instrument sei die Echokardiografie des rechten Herzens durch einen erfahrenen Untersucher. Damit kann indirekt der pulmonal-arterielle Druck gemessen werden. Zur Sicherung der Diagnose sei allerdings die Untersuchung per Rechtsherzkatheter in einem spezialisierten PAH-Zentrum der Goldstandard, betont Rosenkranz. Mithilfe des Sechs-Minuten-Gehtest kann die Prognose eingeschätzt werden.

Ziel der Therapie bei PAH ist es, den pulmonal-arteriellen Druck auf Werte unter 25 mmHg in Ruhe und unter 30 mmHg bei Belastung zu senken. Dafür wurden in den letzten zehn Jahren spezifische Wirkstoffe entwickelt. Drei Wirkprinzipien werden heute in der Praxis angewendet: Prostazyklin-Analoga erweitern kurzzeitig die Lungengefäße. Eine länger anhaltende Gefäßerweiterung bewirken die Endothelin-Antagonisten Bosentan und das Anfang des Jahres in der EU zugelassene Sitaxentan. Beide blockieren die vasokonstriktorische Wirkung von bei Hypoxie freigesetztem Endothelin. Eine weitere Option ist der PDE-5-Hemmer Sildenafil. Er hemmt den Abbau von zyklischem Guanosinmonophosphat (cGMP) und verlängert dessen vasodilatierende Wirkung, und zwar gezielt in belüfteten Lungenarealen.

Bei einer Gruppe von PAH-Patienten kann der Lungendruck durch Kalzium-Antagonisten erfolgreich kontrolliert werden. Diese Option ist jedoch von geringer Bedeutung. Es sprechen nur etwa fünf bis acht Prozent der PAH-Patienten darauf an.

Sport steigert Belastbarkeit und Lebensqualität bei PAH

Dass außerdem Sport sowohl die Lebensqualität als auch die körperliche Belastbarkeit bei PAH-Patienten steigert, haben Forscher der Universität Heidelberg herausgefunden. In einer Studie verbesserte sich während eines 15-wöchigen Programms aus täglichem Atem- und Fahrrad-Ergometer-Training sowie Walking und Hanteltraining die Sechs-Minuten-Gehstrecke von durchschnittlich 439 auf 620 Meter. Bei Patienten der Kontrollgruppe hatte sich die Sechs-Minuten-Gehstrecke nicht verändert (Circulation 114, 2006, 1482). (skh)

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