Ärzte Zeitung online, 11.08.2014

Deutscher erkrankt?

Ebola-Verdachtsfall in Ruanda

Ebola womöglich jetzt auch in Ostafrika: In Ruanda gibt es einen ersten Verdachtsfall - betroffen ist ein Medizinstudent aus Deutschland. Die WHO berät unterdessen darüber, ob nicht zugelassene Präparate in der Krisenregion eingesetzt werden sollen.

Ebola-Verdachtsfall in Ruanda

Gewohntes Bild im Kampf gegen Ebola: Der Schutzanzug der Helfer muss sitzen.

© Ahmed Jallanzo / epa / dpa

KIGALI. Ein Student aus Deutschland wird wegen Ebola-Verdachts in einem Krankenhaus in Ruanda untersucht. Das bestätigte Gesundheitsministerin Agnes Binagwaho am Montag auf Twitter.

Der kürzlich aus Liberia zurückgekehrte Mann wurde mit Symptomen, wie sie auch bei Ebola auftreten, im Kanombe-Militär-Hospital der Hauptstadt Kigali isoliert, teilte das Gesundheitsministerium am Montag mit.

Demnach wurde bei dem Patienten eine Malaria-Infektion festgestellt. Am Nachmittag sei das Fieber bereits gesunken. Der Ebola-Test sei veranlasst worden, um 100-prozentig sicher zu gehen, erklärte Ministerin Agnes Binagwaho.

Der Medizinstudent ist nach Angaben aus der Klinik als freiwilliger Helfer in Ruanda. Woher aus Deutschland er stammt, blieb zunächst unklar. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes wies darauf hin, letztlich sei noch unklar, ob es sich bei der Person tatsächlich um einen deutschen Staatsangehörigen handle. Die deutsche Vertretung in Kigali bemühe sich mit Nachdruck um Aufklärung.

Sowohl bei Malaria als auch bei Ebola können Symptome wie Fieber und Durchfall auftreten. Viele der in den vergangenen Tagen weltweit registrierten Verdachtsfälle gingen auf Malaria zurück.

WHO-Beratungen zum Einsatz von experimentellen Präparaten

In Genf berieten am Montag Medizin-Ethiker mit Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) über einen möglichen Einsatz von experimentellen Wirkstoffen im Epidemie-Gebiet. Erste Ergebnisse sollten am Dienstag bei einer Pressekonferenz vorgestellt werden.

Zwei aus den USA stammende Ebola-Patienten sowie ein Spanier waren mit dem Mittel "ZMapp" behandelt worden. Dieses war zuvor an Affen, noch nicht aber in den üblichen klinischen Testreihen auf mögliche Nebenwirkungen erprobt worden.

Möglich wäre nach Einschätzung von Experten, dass die WHO wegen der kaum einzudämmenden Epidemie den Einsatz solcher Mittel gutheißt, die noch in der Entwicklungsphase sind. "Wir haben hier eine Krankheit mit hoher Sterberate, ohne dass es eine bewährte Behandlung oder Impfung gibt", hatte die Stellvertretende WHO-Generaldirektorin Marie-Paule Kieny vor einigen Tagen erklärt. Die Ethiker müssten einschätzen, was für Ärzte in dieser Situation verantwortbar sei.

"Das sind brisante ethische Fragen", sagte der Medizin-Ethiker Jochen Taupitz von der Universität Mannheim. "Es geht um die Zuteilung knapper Ressourcen."

Sollte die WHO sich zum Einsatz experimenteller Wirkstoffe durchringen, erwartet er, dass diese vorwiegend dem medizinischen Personal vorbehalten bleiben. "Es ist eine Risikoabwägung", erklärte Hans-Dieter Klenk von der Universität Marburg.

"Auf der einen Seite steht eine Erkrankung, an der 60 bis 70 Prozent der Patienten sterben; auf der anderen Seite haben wir Medikamente und Impfstoffe, die vermutlich sehr wirksam sind, aber von denen wir nicht wissen, ob und welche Nebenwirkungen sie haben."

Die WHO hatte die Ebola-Epidemie am Freitag als Internationalen Gesundheitsnotfall eingestuft. Damit kann die Organisation nun zu außerordentlichen Maßnahmen greifen, um die Epidemie einzudämmen.

Experten: Keine Ebola-Gefahr für Deutschland

Den ersten deutschen Ebola-Verdacht hatte es am Wochenende in Hamburg gegeben: Ein 28-Jähriger war mit Symptomen wie Fieber und Erbrechen eingeliefert worden. Er hatte sich zuvor in Sierra Leone aufgehalten. Ein Test in der Nacht auf Sonntag führte schließlich zur Entwarnung.

Für Deutschland gebe es trotz der steigenden Ebola-Zahlen weiter keinen Grund zur Sorge, betonte Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg. "Es ist extrem unwahrscheinlich, dass so eine Infektion importiert wird."

Und selbst ein bestätigter Ebola-Fall sei kein Anlass für Panik. Zu einer Ausbreitung vergleichbar der in Westafrika könne es in Europa kaum kommen. Das Netz medizinischer Einrichtungen sei viel engmaschiger und eine Diagnose innerhalb weniger Stunden möglich.

Auch der kulturelle Hintergrund in Europa stehe einer Ausbreitung des Virus im Wege: "Der Kranke würde sofort ins Krankenhaus gebracht und nicht zu Hause gepflegt. Kontakte würden alle ausfindig gemacht." Schon Mitarbeiter an Flughäfen würden nun gezielt auf Reisende mit entsprechenden Symptomen achten.

"Die Ausbreitung lässt sich mit relativ einfachen Mitteln verhindern", sagte Schmidt-Chanasit.

Ärzte in Europa wie in Afrika dürften trotz der aktuellen Ebola-Gefahr Tests auf Malaria und andere Infektionskrankheiten nicht vernachlässigen, betonte der Mediziner. Im Verdachtsfall müsse zudem geprüft werden, ob ein Patient tatsächlich mit Erkrankten Kontakt hatte oder nur aus einem betroffenen Land eingereist sei.

Für den weiteren Verlauf der Epidemie in Westafrika hält Schmidt-Chanasit es für entscheidend, dass das Virus nicht auf angrenzende Länder oder nach Asien überspringt.

Mehrere Behandlungszentren in Deutschland mit Sonderisolierstationen

In Deutschland gibt es eine Reihe von Behandlungszentren mit Sonderisolierstationen für Patienten mit Verdacht auf hochansteckende, lebensbedrohliche Krankheiten wie Ebola. Sie sind so verteilt, dass ein Krankentransport sie von jedem Ort der Bundesrepublik aus binnen weniger Stunden erreichen kann.

Solche Zentren gibt es in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt (Main), Hamburg, Leipzig, München, Saarbrücken und Stuttgart. In der Missionsärztlichen Klinik befindet sich ein Trainingszentrum. Dieses könne allerdings keine Patienten aufnehmen und sei auch kein ausgewiesenes Behandlungszentrum für Ebola, betont die Klinik.

Die Berliner Charité verfügt an ihrem Standort Virchow-Klinikum über die größte deutsche Seuchenstation mit mehr als 20 Betten.

Auf einer Sonderisolierstation wird der Patientenbereich durch ein Schleusensystem betreten. In der äußeren Schleusenkammer kann das Personal duschen und Schutzkleidung anziehen. Über die innere Kammer kommen Ärzte und Pflegekräfte zu den Kranken. Beim Ausschleusen wird die Schutzkleidung desinfiziert.

Im gesamten Bereich herrscht Unterdruck, damit Erreger nicht nach außen gelangen können. Auch für das Belüftungssystem, die Abwässer aus Waschbecken, Dusche und Toilette sowie die Müllentsorgung gelten besondere Vorschriften.In den Behandlungszentren arbeitet speziell geschultes Personal. Die Teammitglieder üben regelmäßig für den Notfall. (dpa)

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