Ärzte Zeitung online, 05.11.2014

Ebola

Frankfurter Ebola-Patient auf dem Weg der Besserung

Der Aufwand für die Behandlung des Ebola-Patienten im Uniklinikum Frankfurt war hoch, aber er hat sich gelohnt: Der Arzt aus Uganda wird wohl keine Folgeschäden davontragen.

Von Angela Speth

Frankfurter Ebola-Patient auf dem Weg der Besserung

Diese Teilnehmer einer Katastrophenübung vermitteln einen Eindruck, mit welchen Arbeitsbedingungen die Ärzte und Pflegekräfte am Frankfurter Universitätsklinikum zurechtkommen mussten.

© dpa

FRANKFURT/MAIN. Über die erfolgreiche Behandlung des Ebola-Patienten haben Ärzte und Pflegekräfte am Mittwoch vor Journalisten in Frankfurt berichtet. Der Patient, selbst Arzt, hatte sich in Sierra Leone infiziert und war über die WHO und das Auswärtige Amt per Flugzeug nach Frankfurt transportiert worden.

Am Uniklinikum befindet sich eines der sieben Gesundheitszentren mit Sonderisolierstation in Deutschland, die Ebola-Patienten betreuen können, der Kranke ist einer von 19 Patienten, die seit dem Ausbruch der Epidemie aus Westafrika ausgeflogen wurden.

"Jetzt diskutieren wir mit ihm seine Laborbefunde"

"Jetzt diskutieren wir täglich mit ihm seine Laborbefunde", berichtet Dr. Timo Wolf, Oberarzt im Bereich Infektiologie. "Wir sind froh, einem Menschen das Leben das Leben gerettet zu haben." Die Behandlung erfülle aber außer dem humanitären auch einen wissenschaftlichen Anspruch, weil man aus dem Einzelfall Wissen schöpfen könne, das dann weiteren Patienten zugute kommt.

Wolfs Fazit: "Man kann Ebola überleben, aber es kostet einen enormen Einsatz." Nur mit persönlichem Engagement lässt sich freiwillig eine Arbeit leisten, die mit ungewöhnlichen Anforderungen und psychischen Belastungen einhergeht.

Behindert durch die Schutzkleidung, waren für die Mitarbeiter zum Beispiel selbst einfachere Handlungen wie das Einführen einer Magensonde mit Schwierigkeiten verbunden.

30 Ärzte und 60 Pfleger kümmern sich

Insgesamt waren 30 Ärzte mit der Behandlung betraut, wobei sich sechs Kollegen täglich in Vier-Stunden-Schichten abgewechselt haben. Insgesamt 60 Pflegekräfte übernahmen die Betreuung, und zwar in 12-Stunden-Schichten, wovon sie vier Stunden im Schutzanzug samt An- und Auskleiden verbrachten.

Täglich neun von ihnen waren im Einsatz: Vier waren im Behandlungszimmer, fünf überwachten im Außenbereich vor allem in den Schleusen das An- und Ausziehen der Schutzkleidung oder halfen bei der Dekontamination.

"Angst hatten wir nicht, aber einen großen Respekt", sagt Wolf. Eigenschutz auf dem höchsten Niveau wurde Priorität eingeräumt. Bei drei Mitarbeitern waren erhöhte Temperaturen aufgetreten. Sofort wurden nach einem strukturierten Plan Blutproben ins Testlabor nach Marburg geschickt. Aufatmen beim Ergebnis: harmlose Infekte, wie sie für die Erkältungssaison typisch sind.

Großer Aufwand auch beim Material: Täglich 50 Schutzanzüge wurden verbraucht. Die verwendeten Geräte können jedoch möglicherweise dekontaminiert werden, denn das Ebolavirus ist empfindlich gegen Desinfektionsmittel. Die Behandlungskosten werden auf eine Million Euro geschätzt, wegen der Übernahme verhandelt man mit den Hilfsdiensten.

Kritische Phase längst überwunden

Einzelheiten zur Therapie wollten die Ärzte vorerst nicht preisgeben, sondern erst in einer Publikation mitteilen. Nur so viel: Sie haben Medikamente im Off-Label-Use und wegen des Multiorganversagens Ersatzverfahren angewandt, etwa eine 14-tägige Beatmung. Brisant war vor allem, die Zeit bis zum Einsetzen der Antikörper-Produktion am 10. bis 12. Tag zu überbrücken.

Nun sei die kritische Phase seit einigen Tagen überwunden, die Dauer bis zur vollständigen Heilung aber noch ungewiss. Mittlerweile sind im Blut keine Viren mehr nachweisbar, aber von anderen Patienten weiß man, dass die Viren in Körperflüssigkeiten wie dem Schweiß lange persistieren.

Deshalb, aber auch wegen hochresistenter Bakterien, die aus Afrika eingeschleppt werden können, tragen Ärzte und Pflegekräfte weiterhin Schutzanzüge.

Folgeschäden sind bei dem Frankfurter Patienten nicht zu befürchten - keineswegs selbstverständlich, denn aus den Ebola-Regionen sind durchaus Spätfolgen bekannt, etwa neurologische Defizite wie Enzephalitis, Hör- und Sehstörungen. Ursachen sind Mikroeinblutungen durch hämorrhagische Effekte, Kapillarlecks, aber auch direkt durch das Virus.

Die Dekontamination wird etwa zwei Wochen dauern - eine willkommene Frist. Wolf: "Nach dieser Kraftanstrengung sind wir froh über eine Pause bis zum nächsten Patienten."

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