Ärzte Zeitung online, 24.04.2015

Wegen Ebola

Viel mehr Malaria-Tote in Westafrika

Die Ebola-Epidemie zieht weitreichende Folgen nach sich: Einer Studie zufolge ist die Zahl der Malaria-Toten in der Region durch die Krise dramatisch nach oben geschnellt.

JOHANNESBURG. Die Ebola-Epidemie in Westafrika könnte 2014 bis zu 10.900 Malaria-Tote zusätzlich gefordert haben.

Grund dafür seien die zusammengebrochenen Gesundheitssysteme in Guinea, Sierra Leone und Liberia, schreiben Wissenschaftler vom Imperial College in London im Fachmagazin "The Lancet" kurz vor dem Weltmalariatag am 25. April.

Genauso viele Malaria-Tote wie Ebola-Tote

An Malaria wären damit in den drei Ländern etwa so viele zusätzliche Menschen gestorben wie an Ebola selbst.

Bislang starben laut den Statistiken der Weltgesundheitsorganisation fast 11.000 Menschen an Ebola.

Die Wissenschaftler um Patrick Walker vom Zentrum für Analyse und Modellrechnung hatten sich Malaria-Daten aus den vergangenen 15 Jahren angeschaut und untersucht, welchen Einfluss medizinische Behandlungen auf die Krankheitsfälle haben.

Das Ergebnis: Wegen der schlechten Versorgung und der nur noch eingeschränkten Verteilung von Moskitonetzen und vorbeugenden Medikamenten habe es in den drei Ländern bis zu 3,5 Millionen zusätzliche unbehandelte Malaria-Fälle gegeben, schätzen die Forscher.

Überforderte Gesundheitssysteme

"Die anhaltende Ebola-Epidemie in Teilen Westafrikas hat 2014 bereits zuvor schwache Gesundheitssysteme weitestgehend überfordert und adäquate Malaria-Behandlung unmöglich gemacht", sagte Walker.

Das könne die Fortschritte des vergangenen Jahrzehnts im Kampf gegen Malaria in Westafrika wieder zunichtemachen.

Die Zahl der Malaria-Todesfälle stieg demnach in Guinea um gut ein Drittel um 5600. In Sierra Leone gab es der Studie zufolge rund 3900 zusätzliche Todesfälle, eine Zunahme von 50 Prozent.

Für Liberia errechneten die Forscher 1500 zusätzliche Opfer (plus 62 Prozent). (dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Blick ins Gehirn offenbart beste Therapie-Option

Einige Depressive sprechen besser auf Verhaltenstherapien an, andere auf Antidepressiva. Ein Blick ins Hirn per fMRT zeigt, welcher Ansatz den meisten Erfolg verspricht. mehr »

Ein steiniger Weg nach Deutschland

Ob geflohen vor Krieg oder eingewandert aus anderen Teilen der Welt: Wer als ausländischer Arzt in einer deutschen Klinik oder Praxis arbeiten will, muss Ausdauer haben – und gutes Deutsch können. mehr »

Milliarden für die Versicherten – Kassen bleiben skeptisch

Erster Aufschlag des neuen Gesundheitsministers: Jens Spahn will gesetzlich Versicherte per Gesetz entlasten. Aus Richtung Kassen weht scharfer Gegenwind. mehr »