Ärzte Zeitung, 30.06.2015

Ebola

Suche nach Pilzen und Bakterien

Beim Frankfurter Ebola-Patient erfolgte eine umfassende mikrobiologische Diagnostik und Therapie, wie das Uniklinikum jetzt mitteilt.

FRANKFURT/MAIN. Das Universitätsklinikum Frankfurt hat bei der Behandlung eines Ebola-Patienten im vergangenen Herbst ein mikrobiologisches Infektionslabor auf der Sonderisolierstation errichtet. Diese Maßnahme habe wesentlich zum Behandlungserfolg beigetragen, teilt das Universitätsklinikum mit (JCM 2015; online 24. Juni).

Patienten mit Ebola oder anderen Formen eines hämorrhagischen Fiebers leiden oft an zusätzlichen lebensbedrohlichen Begleitinfektionen, die durch Bakterien oder Pilze hervorgerufen sein können. Im Regelfall wird bei Intensivpatienten eine frühzeitige, umfassende Infektionsdiagnostik durchgeführt.

Bei Patienten, die an einer Ebola-Virusinfektion leiden, komme diese Diagnostik in den allermeisten Fällen nicht zum Einsatz, denn diese Laborproben stellen in der mikrobiologischen Diagnostik ein hohes Infektionsrisiko für das Laborpersonal dar, heißt es in der Mitteilung.

Das Unterlassen der Diagnostik sei zwar aus Gründen des Personalschutzes und zur Vermeidung einer unkontrollierbaren Virusausbreitung nachvollziehbar.

Gleichzeitig bedeute es aber, dass dem jeweiligen Patienten die mikrobiologische Infektionsdiagnostik in der Regel nicht zur Verfügung stehe und deswegen entsprechende Behandlungen mit Antibiotika nicht zielgerichtet durchgeführt werden können.

Genau diesem Problem hat sich das interdisziplinäre Ebola-Team vom Uniklinikum Frankfurt zusammen mit Kollegen aus dem Amt für Gesundheit der Stadt Frankfurt und des Uniklinikums Marburg gestellt.

Für die Behandlung des Ebola-Patienten in Frankfurt im Oktober und November 2014 wurde in einer einzigartigen Aktion ein voll funktionsfähiges mikrobiologisches Infektionslabor auf der Sonderisolierstation des Klinikums eingerichtet und betrieben. Die Maßnahme führte dazu, dass bei dem Patienten die antibiotische und antifungale Therapie genau angepasst werden konnte, so die Uniklinik Frankfurt.

Dies habe wesentlich zum guten Behandlungserfolg beigetragen. Der Frankfurter Ansatz, den die Autoren als BEMBL (Abkürzung für biocontainment Ebolavirus-related microbiology and bacteriology-laboratory) bezeichnen, sei in dieser Form bislang weltweit einzigartig.

Die Herausgeber des "Journal of Clinical Microbiology der American Society of Microbiology" hätten die Beschreibung dieses neuartigen Vorgehens als Gastkommentar vorgenommen. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Hunde im MRT hygienischer als bärtige Männer

Ist es hygienisch, Hunde in MRT-Scanner zu legen, mit denen primär Menschen untersucht werden? Ja, legt eine Studie nahe: Bärtige Männer bergen höhere Kontaminationsrisiken. mehr »

Starke Konzentration wird im Fall Valsartan zum Klumpenrisiko

Noch ist die Risikobewertung im Fall Valsartan nicht abgeschlossen. Aber der Vorgang zeigt die Risiken der starken Marktkonzentration. mehr »

Die Gesundheit der Bombenkinder

Seit Jahrzehnten berichten viele Hibakusha – so nennt Japan seine Atombombenopfer – regelmäßig vor Schülern und Interessierten aus dem In- und Ausland von dem Grauen, das sie und ihre Angehörigen erlebten. mehr »