Ärzte Zeitung, 23.07.2007

Sommerakademie 2007

Dauertherapie bei CU beugt auch Darmkrebs vor

Langzeittherapie mit mindestens 1,5 g Mesalazin täglich / Optionen sind auch Azathioprin und E. coli Nissle

Bei Colitis ulcerosa (CU) ist das Darmkrebs-Risiko 6- bis 15-fach im Vergleich zur Normalbevölkerung erhöht. Eine Langzeittherapie zum Remissionserhalt dient auch der Krebsprophylaxe. Bislang ist zum Remissionserhalt eine Therapiedauer bis zu zwei Jahren üblich, eine längere Therapie könnte aber günstig sein, auch wenn es noch keine Studien dazu gibt. Auch wichtig: regelmäßige Kontrollkoloskopien zur Früherkennung.

Wichtig bei Patienten mit langjähriger CU: regelmäßige koloskopische Kontrollen. Die notwendige Frequenz hängt auch vom histologischen Befund ab. Foto: Klaro

Bei einer Dauertherapie mit 5-Aminosalizylsäure (5-ASA, Mesalazin) ist nach Leitlinien-Empfehlung 1,5 g täglich oral die minimale Dosis. Präparate, die direkt 5-ASA freisetzen, sind Asacolitin®, Claversal®, Pentasa®, Salofalk®. Andere Präparate enthalten Konjugate, die den Wirkstoff freisetzen (Azulfidine®, Colo-Pleon®, Dipentum®).

Offenbar sind es antientzündlichen Wirkungen, die Karzinom-präventiv wirken. Aber auch molekulare Mechanismen werden diskutiert. Solche Mechanismen setzen etwa Signalketten in Gang, die die Proliferation von Epithelzellen im Kolon stoppen und die Apoptose proliferierter Zellen fördern.

Kommt es unter der Therapie zum Schub, wird die Dosis erhöht. Sinnvoll ist auch eine kombinierte Therapie mit rektaler Applikation. Zur Verfügung stehen Zäpfchen (bei isolierter Proktitis), Klysmen und Schäume.

Eine weitere Therapie-Option ist Azathioprin (etwa Azafalk®, Imurek®, Zytrim®). Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 1,4 bis 2,5 mg pro kg Körpergewicht.

Auch apathogene E. coli Nissle (Mutaflor®) sind zum Remissionserhalt etabliert. In Studien erwiesen sie sich als ähnlich wirksam zum Remissionserhalt wie 5-ASA. Eine übliche Tagesdosis sind zweimal 100 mg E. coli Nissle.

Etwa 7,5 Prozent der Patienten mit CU haben zusätzlich eine primär sklerosierende Cholangitis (PSC). Therapie der Wahl bei PSC ist Ursodeoxycholsäure (etwa Ursofalk® 500 mg) in der hohen Dosierung von mindestens 20 mg pro kg Körpergewicht. Damit wird nach Studiendaten sowohl die PSC günstig beeinflusst als auch die Darmkrebs-Rate reduziert (Current Gastroenterology Reports 9, 2007, 549).

Wegen der erhöhten Darmkrebsrate bei CU sollten Risikopatienten regelmäßig zu Kontrollendoskopien geschickt werden. Risikopatienten sind solche mit subtotalem oder totalem Kolonbefall, bei denen seit mindestens acht Jahren eine CU bekannt ist. Ebenfalls zu den Risikopatienten gehören solche mit linksseitiger CU seit mindestens 15 Jahren. (gwa)

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