Ärzte Zeitung, 18.10.2012

Harnwegsinfekt

Cranberry-Saft beugt doch nicht vor

Wer täglich Cranberry-Saft trinkt, kann damit Harnwegsinfekte nicht verhindern. Das haben Forscher in einem Cochrane-Review festgestellt. Sie sehen das Ergebnis eines alten Cochrane-Reviews widerlegt.

Cranberry-Saft beugt doch nicht vor

Laut der Wissenschaftler hatte Cranberry-Saft in keiner der untersuchten Gruppen einen überzeugenden Nutzen, wenn es darum ging, einen Harninfekt vorzubeugen.

© JuNiArt / imago

STIRLING (rb). Ein weiteres Mal haben sich Forscher in einem Cochrane-Review den Wirkungen von Cranberrys gegen Harnwegsinfektionen (HWI) gewidmet. Ihr Urteil fällt negativ aus.

Noch vor vier Jahren hatte es in einem vorläufigen Cochrane-Review noch nach einem geringen Nutzen von Cranberry-Saft bei Frauen mit rezidivierenden HWI ausgesehen.

Seither sind 14 weitere Studien mit dem Beerensaft veröffentlicht und analysiert worden (Cochrane Database Syst Rev 2012, online 17. Oktober).

Das Fazit der Studienleiterin Dr. Ruth Jepsen von der University of Stirling in Schottland: "Jetzt legen die Ergebnisse nahe, dass Cranberry-Saft sogar noch weniger vorbeugende Wirkung gegen Harnwegsinfekte hat als im Update davor."

Hohe Quote an Therapieabbrüchen

In keiner der untersuchten Gruppen konnte ein überzeugender Nutzen im Vergleich zu Placebo, Antibiotika, Laktobazillen oder keiner Kontrolltherapie nachgewiesen werden.

Zu den insgesamt 4473 Probanden in 24 Studien gehörten, außer den Frauen mit wiederkehrenden HWI, weitere Risikogruppen: ältere Frauen und Männer, katheterisierte Patienten, Schwangere, Patienten mit Anomalien des Harntrakts und Kinder, die einen ersten oder rezidivierenden Infekt erlitten hatten.

Außer Saft waren auch andere Produkte wie Tabletten und Kapseln getestet worden. Die Einnahmedauer betrug jeweils mindestens einen Monat.

Allenfalls bei Frauen mit rezidivierenden HWI ließ sich ein Trend erkennen, der einen Vorteil der Cranberry-Zubereitungen nahelegt. Das Ergebnis war allerdings statistisch nicht signifikant.

Bemerkenswert war unter anderem die Quote der Therapieabbrüche, die in manchen Studien 55 Prozent erreichte. Das betraf besonders den Saft der Beeren, von dem teilweise ein Liter pro Tag zu trinken war.

Weitere Studien sollten nicht unternommen werden

"Kapseln oder Tabletten könnten die Compliance vielleicht verbessern", schreiben Jepsen und Kollegen. Für diese Formen der Zubereitung lägen aber nur wenige Studiendaten zur Wirkstoffmenge vor.

"Solche Cranberry-Produkte können daher nicht für die HWI-Prävention empfohlen werden", heißt es weiter.

Weitere Studien zu dem Thema sollten nicht mehr unternommen werden, meinen die Wissenschaftler, es sei denn, es sprächen starke Gründe dafür.

Allenfalls Kapseln und Tabletten seien lohnende Studienobjekte, aber auch sie nur bei Frauen mit rezidivierenden HWI.

Die Präparate müssten aber mindestens eine tägliche Zufuhr von 36 mg an Proanthocyanidinen gewährleisten.

Quelle: www.springermedizin.de

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jeder dritte Brustkrebs im MRT übersehen

MRT-Bilder helfen, Brustkrebs früh aufzuspüren – doch in vielen Fällen gelingt das nicht. Eine niederländische Studie ergab: Jedes dritte Karzinom ist im MRT übersehen worden. mehr »

Elektrostimulation macht Gelähmten Beine

Querschnittgelähmte können mit Krücken wieder gehen – dank einer individuell angepassten epiduralen Stimulation. Allerdings ist die Therapie nicht für jeden geeignet. mehr »

Orthopäde schwört auf Praxismarketing

Einfach nur Basisorthopädie anzubieten, ist nicht Dr. Jörg Thiemes Ding. Um auf seine Spezialitäten aufmerksam zu machen, setzt er auf ein umfassendes Praxismarketing. mehr »