Ärzte Zeitung online, 21.01.2014

Prophylaxe

Viele Optionen gegen Harnwegsinfekte

Rezidivierende Harnwegsinfekte lassen sich mit einer Reihe von Maßnahmen vorbeugen - von der Antibiotikaprophylaxe bis zu Cranberries und Akupunktur. Was sie im Einzelnen bewirken, haben US-Forscher untersucht.

Viele Optionen gegen Harnwegsinfekte

Der Drang zur Toilette: Jede zehnte Frau hat mindestens einmal jährlich eine Harnwegsinfektion.

© Wigger / DAK

LOS ANGELES. Wie können Frauen am besten ständig wiederkehrenden Harnwegsinfekten vorbeugen? Zur Klärung dieser Frage haben Forscher um die Infektiologin Samantha Eells von der Harbor-University in Los Angeles die Datenlage zu fünf gängigen Verfahren untersucht (Clin Infect Dis 2014; 58: 147).

Es handelt sich dabei um die tägliche prophylaktische Einnahme des Antibiotikums Nitrofurantoin, tägliche Östrogenprophylaxe, tägliche Einnahme von Cranberrypräparaten, Akupunktur und symptomgesteuerte antibiotische Selbstmedikation der Patientinnen nach Bedarf.

Analysiert wurden 20 einschlägige Studien. Ausgehend von drei Episoden pro Jahr, senkt die Nitrofurantoin-Gabe laut den Berechnungen von Eells und Kollegen die Zahl der jährlichen Harnwegsinfekte auf durchschnittlich 0,4 pro Jahr. Die Östrogenprophylaxe erreicht eine Verminderung auf 1,1, ebenso die Einnahme von Cranberrypräparaten.

Die große Überraschung der Studie: Akupunktur drückte die Episodenzahl auf 0,7. Ein Publikationsbias sei nicht auszuschließen, meinen die Forscher, da es weniger Studien zu diesem als zu den anderen Verfahren gegeben habe.

Keine Reduktion der Häufigkeit von Harnwegsinfektionen ist mit der bedarfsgesteuerten Selbsttherapie der Patientinnen zu erreichen.

Die Modellkalkulationen, die von acht Infektionen pro Jahr ausgehen, führen zu einer ähnlichen Verteilung: Verminderung auf 1,3 Episoden unter der Prophylaxe mit Nitrofurantoin, 3,1 unter Östrogen, 4,4 unter Cranberries, 2,8 unter Akupunktur und acht unter symptomorientierter Selbstbehandlung.

Die Ergebnisse sind angesichts der weiten Verbreitung des Problems für die tägliche Praxis nicht unerheblich. Schätzungsweise 10 bis 13 Prozent der Frauen erkranken jährlich an einem Harnwegsinfekt, 20 bis 30 Prozent von ihnen ereilt binnen eines halben Jahres eine zweite Infektion.

Und für drei Prozent der Frauen ist die zweite Episode nicht die letzte. Eells und ihr Team glauben, den Betroffenen und ihren Ärzten nun Daten an die Hand geben zu können, die es ihnen erleichtern, sich für die eine oder andere Prophylaxetaktik zu entscheiden. (rb)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Urologisches Frauenwahlrecht

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Drastisch veränderte Mundflora bei Krebs

Beim Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle ist die Zusammensetzung des oralen Keimwelt im Vergleich zu Gesunden drastisch verschoben. mehr »

So wird Insulin für Diabetiker produziert

Hinter den Toren des Industrieparks Höchst bieten sich faszinierende Einblicke in die Welt der Hochleistungs-Biotechnologie: Milliarden von E.coli-Bakterien produzieren hier das für Diabetiker überlebenswichtige Insulin. mehr »

Angst vor Epidemien in Lagern

Nach ihrer dramatischen Flucht aus Myanmar suchen über eine halbe Million Rohingya Schutz in Bangladesch. Die Lage in den eilig aufgeschlagenen Lagern ist desolat. mehr »