Ärzte Zeitung, 26.02.2004

Dicke Leberkranke profitieren langfristig, wenn Pfunde purzeln

Einmal mit Diät und mehr Sport abnehmen und dann das Gewicht halten, tut der Leber und dem Allgemeinbefinden gut

WOOLLOONGABBA (mal). Es lohnt sich, übergewichtige Patienten mit chronischen Lebererkrankungen und Steatose konsequent zu Sport und Diät zu motivieren. Denn durch Gewichtsverlust werden langfristig Risikofaktoren für eine Progression der Leberkrankheit günstig beeinflußt. Gleiches ist auch für die histologischen Befunde anzunehmen.

Maßnahmen gegen Übergewicht seien damit bei chronisch Leberkranken eine wichtige Komponente im Gesamt-Therapiekonzept, betonen die Forscher um Dr. Elizabeth Powell aus Woolloongabba in Australien.

In einer kleinen Studie haben sie festgestellt, daß kurzfristig erzielte positive Effekte des Abspeckens auf die Lebererkrankung langfristig erhalten bleiben, wenn die Patienten nicht wieder zunehmen. Dabei sei es nicht nötig, daß ein normaler Body-Mass-Index (BMI) erreicht werde, so die Forscher. Schon vier bis fünf Prozent weniger Gewicht nütze anhaltend (Gut 53, 2004, 413).

In die Studie waren 43 übergewichtige oder adipöse Patienten (BMI über 25 kg/m2) aufgenommen worden. Alle hatten eine - nicht durch Alkohol bedingte - Steatose, oft bei chronischer Hepatitis C. Bei zehn Patienten bestand zudem eine Leberfibrose.

Bei wöchentlicher Beratung zu Diät und mehr Sport hatten die Patienten nach drei Monaten 5,8 Prozent (Median) ihres Gewichtes verloren. Das wirkte sich positiv auf den Grad der Leberverfettung und der Fibrosierung aus. Die Alanintransaminase (ALT)-Werte und die Nüchtern-Insulinspiegel waren gesunken. Bei übergewichtigen HCV-Infizierten bestehe eine positive Assoziation zwischen Insulinspiegeln und Fibrosierung der Leber, erinnern die Kollegen.

Nach weiteren zwölf Monaten mit nur noch einer Beratung pro Monat hatten von den dann noch 31 Studienteilnehmern 21 weiter abgenommen und zehn wieder zugenommen. Es fiel auf, daß ALT-Spiegel und Nüchtern-Insulinspiegel bei Halten des Gewichts oder weiterem Gewichtsverlust auf dem niedrigeren Niveau geblieben oder weiter gesunken waren.

Elf Patienten hatten wieder normale ALT-Werte. Bei erneuter Gewichtszunahme waren die Parameter dagegen wieder etwa auf Höhe der Ausgangswerte gestiegen. Langfristig reduziertes Gewicht besserte auch langfristig die Lebensqualität.

Aus ethischen Gründen wurden nach 15 Monaten keine Kontroll-Biopsien gemacht. Aufgrund der langfristigen Besserung der Laborwerte bei konstantem Körpergewicht nach erfolgreichem Abnehmen sei aber von langanhaltenden positiven Effekten auch auf Leberverfettung und Fibrosierung auszugehen, so Powell.

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Sport bringt Lust, zuviel den Frust

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