Forschung und Praxis, 28.10.2005

Nukleotidanalogon bewährt sich in der Langzeittherapie von Hepatitis-B-Kranken

Bei Patienten mit HBe-Antigen-negativer Hepatitis B hat sich die Therapie mit dem Nukleotidanalogon Adefovir bislang als gut wirksam erwiesen. In einer noch laufenden Langzeitstudie ist es nach mittlerweile vier Jahren Therapie mit dem Virustatikum gelungen, bei 85 Prozent der Studienteilnehmer die Viruskonzentration unter die Nachweisgrenze zu senken.

Eine HBe-Ag-negative Hepatitis B wird meist erst diagnostiziert, wenn es schon zu Leberschäden gekommen ist. Spätestens dann brauchen die Patienten eine Langzeittherapie, und zwar primär mit Lamivudin oder Adefovir, sagte in Köln Privatdozent Dr. Jörg Petersen aus Hamburg.

Allerdings würden mit Lamivudin in vier Jahren fast 70 Prozent der HB-Viren resistent, mit Adefovir jedoch nur 18 Prozent. Petersen stellte bei einer Veranstaltung des Unternehmens Gilead zudem die Zwischenergebnisse einer laufenden Langzeitstudie mit Adefovir (Hepsera®) vor.

Demnach sinkt mit täglich 10 mg Adefovir oral bei einer stetig wachsenden Zahl von Patienten die Viruskonzentration unter die Nachweisgrenze: Nach einem Jahr Therapie erreichten 51 Prozent der Studienteilnehmer dieses Therapieziel, nach zwei Jahren 71 Prozent, nach drei Jahren 79 Prozent und nach jetzt vier Jahren 85 Prozent.

Bei fast ebenso vielen Patienten hatten sich die Leberwerte normalisiert, sagte Petersen. Der histologische Leberbefund hatte sich nach vier Jahren bei 63 Prozent gebessert.

Trotz der recht guten Erfolge wird bei Hepatitis B auch über Kombinationstherapien nachgedacht, so Petersen, "weil wir damit die Resistenzen vielleicht besser in den Griff bekommen".

Ziel sei es, die Viren möglichst schnell und vollständig zu eliminieren. Möglicherweise funktioniert das mit einer Kombination aus pegyliertem Interferon-alfa und Adefovir. Damit konnten in einer Hamburger Pilotstudie bei zwei von zwölf HBeAg-negativen Patienten die Viren eliminiert werden. (grue)

Lesen Sie dazu auch:
Bei Hepatitis B sind Koinfektionen mit zweitem Hepatitisvirus-Typ häufig

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