Ärzte Zeitung, 13.12.2005

Hepatitis B ist bei Migranten in Deutschland besonders häufig

Von 500 000 Infizierten in Deutschland kommen 42 Prozent aus dem Ausland

NEU-ISENBURG (eis). Über 40 Prozent der chronisch mit Hepatitis-B-Viren (HBV) infizierten Menschen in Deutschland sind Migranten etwa aus Süd- oder Osteuropa oder der ehemaligen Sowjetunion, schätzen Epidemiologen. Da bei vielen davon die Infekte nicht erkannt sind, sollte bei geringstem Verdacht (etwa erhöhten Transaminasen) auf Hepatitis B getestet werden.

Modell des Hepatitis-B-Virus: 500 000 Menschen in Deutschland sind chronisch infiziert. Foto:Sanofi-Pasteur MSD

Etwa 13 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind Ausländer (7,3 Millionen) oder Aussiedler (3,2 Millionen). In ihren Herkunftsländern ist die Hepatitis-B- Prävalenz meist sehr viel höher als in Deutschland, wie Professor Alexander Krämer von der Fakultät für Gesundheitswesen der Universität Bielefeld und seine Kollegen berichten (DMW 130, 2005, 2753).

Die Forscher haben anhand von WHO-Daten zu Prävalenzen in den Ländern die Zahl der zu erwartenden chronischen HBV-Träger unter Ausländern und Aussiedlern in Deutschland errechnet. So kommen 64 Prozent der Ausländer aus Regionen mit mittlerer Hepatitis-B-Prävalenz (zwei Prozent) und acht Prozent mit hoher (neun Prozent).

Mehr als die Hälfte der Aussiedler stammen aus Nachfolgestaaten der Sowjetunion, in denen eine Prävalenz von fünf Prozent angenommen wird. Zum Vergleich: In Deutschland gehen die Forscher von einer Prävalenz von 0,75 Prozent erwachsener chronischer HBV-Träger aus, das sind etwa 500 000 Infizierte. 18 Prozent davon sind nach den Berechnungen Aussiedler und 24 Prozent Ausländer.

In den Bevölkerungsgruppen sollten daher Impfempfehlungen und Schwangeren-Screening unbedingt beachtet werden.

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