Ärzte Zeitung, 23.11.2007

Resistente HB-Viren selten bei Entecavir-Therapie

Resistenzen treten bei weniger als einem Prozent der Patienten pro Jahr auf / Hohe antivirale Aktivität der Arznei

BOCHUM (awa). Das seit einem Jahr zur Therapie von Patienten mit chronischer Hepatitis B zugelassene Nukleosidanalogon Entecavir hat zwei Vorteile: Im Vergleich zu den älteren Vertretern dieser Substanzklasse ist es antiviral stärker wirksam und die Resistenzrate ist nach vier Therapie-Jahren sehr niedrig.

Um eine chronische Hepatitis-B-Infektion langfristig zu beherrschen, benötigen die meisten Patienten eine antivirale Langzeit-Therapie. Probleme bei langer Therapiedauer sind Resistenzen und Therapieversagen. Darauf hat Privatdozent Thomas Berg von der Charité Berlin beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen in Bochum hingewiesen.

Das in die aktualisierte S3-Leitlinie "Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis B" neu aufgenommene Entecavir (Baraclude®) könne zum Rückgang der Resistenzraten beitragen, sagte Berg bei einer Veranstaltung von Bristol-Myers Squibb. So wurden in den Zulassungsstudien während vier Jahren Entecavir-Monotherapie pro Jahr bei weniger als einem Prozent der Teilnehmer Resistenzen gegen die Substanz registriert. Dagegen sprechen mit Lamivudin - dem ersten bei Hepatitis B zugelassenen Nukleosidanalogon - nach vier Jahren 71 Prozent der Patienten wegen einer Resistenz nicht mehr auf die Substanz an, so Berg.

Ursache für die geringe Resistenzentwicklung bei Entecavir seien dessen hohe antivirale Aktivität und hohe genetische Barriere, so Berg. Damit es zu einer Resistenz gegen Entecavir kommt, müssen im Polymerase-Gen des Virus drei Mutationen vorliegen. Bei den anderen Nukelosid- und Nukleotidanaloga reiche eine Mutation für eine komplette Resistenz aus.

"Die zugelassenen HBV-Polymerase-Hemmer unterscheiden sich beim Wirkmechanismus, der antiviralen Aktivität und dem Resistenzprofil. Sie erlauben eine Differenzialtherapie, mit dem Ziel, das Resistenzrisiko zu minimieren", betonte Berg. Bei starker Virämie werde eine Substanz mit starker antiviraler Aktivität und hoher genetischer Barriere benötigt.

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