Ärzte Zeitung, 02.11.2007

Risiko durch Stichverletzungen überschätzt

Infektionsrate mit Hepatitis C ist gering / Verletzungen meist durch Aufstecken der Kappe auf die Kanüle

HANNOVER (hub). Eine Richtlinie schreibt den Einsatz verletzungssicherer Instrumente vor - wenn möglich. Die gute Botschaft, falls doch etwas passiert: Die Infektionsgefahr etwa durch Nadelstichverletzungen ist geringer als bisher vermutet.

Zu 75 Prozent sind Stiche mit einer Kanüle Hauptursache bei Verletzungen mit potenziell infektiösem Material. Das hat die Auswertung von über 1400 solcher Fälle an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ergeben (Der Internist 10, 2007, 1165).

Bei 166 der gemeldeten Verletzungen von MHH-Mitarbeitern war das Instrument mit Hepatitis-C-Viren (HCV) kontaminiert. Dabei kam es zu keiner HCV-Serokonversion. Auch in der wissenschaftlichen Literatur würden in europäischen Studien geringe HCV-Serokonversionsraten von 0,42 Prozent angegeben. Das ist erfreulich niedrig.

Etwas anders sieht es bei mit Hepatitis-B-Viren (HBV) kontaminiertem Material aus. Mit solchem Material gab es 44 Verletzungen von MHH-Mitarbeitern. Dabei kam zu einer Serokonversion gegen das Oberflächenantigen (HBsAG). Die größere Gefahr einer HBV-Infektion sei auch in Studien dokumentiert, so die Autoren. Dies unterstreicht die Bedeutung der Hepatitis-B-Impfung für medizinisches Personal.

Die meisten der gemeldeten Verletzungen erfolgten beim Zurückstecken der Kappe auf die Kanüle. Dabei sind die Sicherheitsbehälter so vorgesehen, dass die "nackte" Kanüle darin entsorgt wird. Doch die Mitarbeiter halten sich nicht immer daran.

Die Richtlinie TRBA 250 gibt es als PDF hier: www.baua.de.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Die Kappe darf nicht auf die Kanüle

Topics
Schlagworte
Hepatitis A/B/C... (963)
Organisationen
MHH (784)
Krankheiten
Hepatitis C (690)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

"Telemedizin ist für uns Landärzte die Zukunft"

Geringes Honorar, hoher Aufwand und auf bestimmte Diagnosen begrenzt – trotzdem setzen einige Ärzte auf die Videosprechstunde. Und das aus vielerlei Gründen. mehr »

Kein Darmkrebs-Screening ab 45 Jahren

Der GBA lehnt die Senkung der Altersgrenzen beim Darmkrebs-Screening ab. Dagegen soll das organisierte Einladungsverfahren zur Früherkennung ab Juli 2019 starten. mehr »

Was 100-Jährige von anderen unterscheidet

100-Jährige sind oft weniger krank als die Jüngeren. Worauf es ankommt, haben Forscher anhand von Daten von AOK-Versicherten herausgefunden. mehr »