Ärzte Zeitung online, 08.01.2009

Neue Biomarker für Leberfibrose entdeckt

BOCHUM (eb). Einem internationalen Forscherteam mit Wissenschaftlern und Ärzten der Ruhr-Universität Bochum ist es gelungen, neue Biomarker für die Diagnose der Leberfibrose zu identifizieren. Statt einer Leberbiopsie wie bislang üblich soll in Zukunft eine Blutentnahme genügen, um den Grad der Fibrose und das Progressionsrisiko sicher zu beurteilen und eine sinnvolle Therapie einleiten zu können.

Gesucht und gefunden: spezifische Biomarker für Leberfibrose.

Foto: Ruhr-Universität Bochum

Bei der Leberfibrose, meistens hervorgerufen durch Alkoholkrankheit oder eine chronische Virushepatitis, wird geschädigtes Lebergewebe zunehmend durch Bindegewebe ersetzt. Das Endstadium der Erkrankung ist die Leberzirrhose.

Etwa 60 bis 80 Prozent der akuten Hepatitis C-Virusinfektionen verlaufen chronisch und führen damit zu einer dauerhaften Schädigung der Leber. Die Therapie bei Hepatitis C ist langwierig, belastet Patienten und ist bei ungünstiger Konstellation bei bis zu 50 Prozent der Patienten nicht erfolgreich. Zur Indikationsstellung einer antiviralen Therapie und zur Verlaufskontrolle erlaubte bisher allein die Leberbiopsie die zuverlässige Beurteilung des Fibrosestadiums und damit des individuellen Therapie-Erfolgs.

Fahndung nach Eiweißen, die typisch sind für die Krankheitsstadien

Dr. Barbara Sitek und Professor Helmut E. Meyer vom Medizinischen Proteom-Center, der NRW-Nachwuchsgruppe am Proteom-Center unter Leitung von Dr. Kai Stühler sowie Dr. Christian Mölleken und Professor Wolff Schmiegel vom RUB-Klinikum Bergmannsheil machten sich daher gemeinsam mit Kollegen aus Kiel, Dänemark und den USA auf die Suche nach Biomarkern: Stoffen, die im Blut nachweisbar sind und Rückschlüsse auf den Zustand der Leber erlauben.

Um zuverlässige Biomarker zu finden, beschritt die Forschergruppe neue Wege und nutzte die Proteomanalyse von erkranktem Lebergewebe. Die Forscher interessierte dabei, welche Proteine das Lebergewebe in welchem Krankheitsstadium charakteristischerweise produziert.

Durch Kombination hochsensitiver Methoden wie der 2D-DIGE Technik und Massenspektrometrie konnten geringste Probenmengen von nur 3500 Zellen analysiert werden. Das hierbei identifizierte Protein MFAP4 stellte sich in einem umfangreichen Probenkontingent von Patienten des Kompetenznetzes Hepatitis (HepNet) als Biomarker mit hoher diagnostischer Genauigkeit heraus (Hepatology online vorab).

Künftig soll es daher genügen, eine Blutprobe eines Patienten zu analysieren, um sowohl das Stadium seiner Lebererkrankung zu diagnostizieren als auch den Erfolg einer Therapie bei Hepatitis C zuverlässig zu verfolgen. "Unsere Ergebnisse bestätigen erneut unser Konzept zur Identifizierung von Biomarkern mithilfe der gewebebasierten Proteomanalyse", so Stühler in einer Mitteilung der Universität.

Abstract der Studie "Detection of novel biomarkers of liver cirrhosis by proteomic analysis"

www.medizinisches-proteom-center.de

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