Ärzte Zeitung online, 19.08.2009
 

Nanopartikel mit Nukleotiden bremsen akute Hepatitis

MÜNCHEN (eb). Ärzte der LMU München haben im Tierversuch erfolgreich ein neues Verfahren gegen akute Hepatitis getestet. Dabei wird gezielt ein überaktiver Transkriptionsfaktor abgeschaltet. Das Verfahren könnte helfen, die Zahl der Lebertransplantationen zu senken.

Die akute Leberentzündung trifft vor allem junge Menschen und kann mit schweren Leberschäden einhergehen. Schlimmstenfalls hilft dann nur eine Lebertransplantation. Noch aber hat das Team um Professor Alexander Gerbes am Leber Centrum München das neue Verfahren nur an Mäusen getestet - das allerdings mit großem Erfolg.

Wie das Klinikum der Universität München mitteilt, geht es bei dem Verfahren um einen so genannten Transkriptionsfaktor, der im Krankheitsgeschehen bei akuter Hepatitis von zentraler Bedeutung ist und NF-Kappa-B genannt wird. Unter diesem Kürzel wird eine Gruppe von Molekülen zusammengefasst, die eine Vielzahl von Genen an- oder ausschalten. "Gerade in den Kupffer-Zellen der Leber ist NF-Kappa-B bei der akuten Hepatitis hoch aktiv", sagt Gerbes. Überaktiv, um genau zu sein, weshalb Forscher schon seit längerer Zeit nach Möglichkeiten suchen, den Faktor gezielt nur in den Kupffer-Zellen zu hemmen. Die Kupffer-Zellen sorgen in der Leber dafür, dass Stoffwechselprodukte oder Bakterien aus dem Pfortaderblut herausgefischt und entsorgt werden.

Theoretisch kommen für eine Blockade von NF-Kappa-B kleine Nukleinsäure-Stücke infrage, so genannte Oligonukleotide, die sich im Labor herstellen lassen. Bislang aber ist es nicht gelungen, die Oligonukleotide selektiv in die Kupffer-Zellen einzuschleusen und therapeutisch erfolgreich einzusetzen. Die Forscher um Gerbes haben genau das geschafft - zusammen mit der Arbeitsgruppe von Professor Angelika Vollmar vom Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie am Zentrum für Pharmaforschung der LMU. Das Team hat die Oligonukleotide in winzige, nur 260 millionstel Millimeter große Gelatine-Partikel verpackt, "die von den Kupffer-Zellen förmlich verschlungen werden", wie der Münchner Leberspezialist es ausdrückt. Folge: Mäuse mit einer fulminanten Hepatitis waren nach Gabe der beladenen Gelatine-Partikel vor Leberschäden weitgehend geschützt.

Die Arbeiten wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Die Studie wurde jetzt in der Fachzeitschrift "GUT" online veröffentlicht.

Nun sind weitere Untersuchungen nötig, um die vielversprechende Methode für den Menschen zu nutzen. So will das Team beispielsweise die Frage lösen, ob sich die Gelatine-Partikel in eine beliebige Vene spritzen lassen und dennoch ihr Ziel erreichen. Langfristig könnte dieser Behandlungsansatz dazu beitragen, die Zahl der Patienten, die wegen einer akuten Leberentzündung ein Lebertransplantat erhalten müssen, zu senken. Angesichts der Knappheit an Spenderorganen wäre dies ein wesentlicher Fortschritt.

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