Ärzte Zeitung online, 02.10.2009

Kompetenznetz Hepatitis beklagt "Stigma" von Hepatitis

HAMBURG (dpa). Der Medizinprofessor Michael Manns beklagt, dass die Leberentzündung Hepatitis B gesellschaftlich stigmatisiert wird. "Es wäre gut, wenn einige Prominente sich auch für diese Erkrankten einsetzen würden", sagte der Sprecher des Kompetenznetzes Hepatitis in einem Interview mit der dpa am Rande eines Kongresses von Gastroenterologen in Hamburg. Der 57-Jährige arbeitet an der Medizinischen Hochschule Hannover. Hepatitis B kann unter anderem durch Blut und beim Sex übertragen werden.

Woher kommt denn das aus Ihrer Sicht negative Image der Krankheit?

Manns: "Genau ist dies nicht nachzuvollziehen. Viele Menschen tragen eine rote Schleife und wollen damit Aids-Kranke unterstützen - aber zur Unterstützung der Hepatitis-Kranken bekennen sich nur wenige. Viele Patienten leiden darunter, dass "leberkrank" fälschlicherweise mit "alkoholkrank" gleichgesetzt wird. Dabei gibt es viele, viele Ursachen für eine Lebererkrankung. Bei nahezu jeder Routineuntersuchung sind die Leberwerte dabei. Bei jedem erhöhten Leberwert sollte man darauf bestehen, dass die Ursache geklärt wird - ob Fettleber, Diabetes, Hepatitis oder angeborene Stoffwechselerkrankungen."

Warum wird Hepatitis B oft erst spät erkannt?

Manns: "Bei chronischen Formen sind die Symptome häufig diffus, das reicht von allgemeiner Schwäche und Abgeschlagenheit bis hin zu Druckschmerzen im rechten Oberbauch. Man muss aber alles versuchen, um die Patienten zu erfassen - damit man sie überhaupt behandeln kann. Sonst drohen Leberkrebs und Leberzirrhose. Bundesweit sind Schätzungen zufolge mehr als 500 000 Menschen mit dem Hepatitis B-Virus chronisch infiziert. Nur ein Bruchteil davon weiß aber von der Erkrankung. Es wird vermutet, dass 65 Prozent der Hepatitis B-Patienten in Deutschland innerhalb der Migrantenbevölkerung zu suchen sind. Wir brauchen dringend eine Aufklärungskampagne. Das Europäische Parlament hat jüngst beschlossen, dafür Geld zur Verfügung zu stellen."

Gibt es neue Entwicklungen bei der Behandlung der Krankheit?

Manns: "Seit wenigen Jahren gibt es Medikamente, die gut verträglich und sehr wirksam sind - und gegen die die Patienten nur selten Resistenzen entwickeln. Erste Langzeitdaten zeigen, dass die Medikamente nicht nur die Viruskonzentration im Blut runterdrücken, sondern dass auch Gewebeschäden in der Leber zurückgehen oder aufgehalten werden. Und: Die Virusinfektion kann mit einer Impfung vermieden werden. Die Impfung wirkt aber nur, wenn man sich noch nicht infiziert hat."

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