Kongress, 15.04.2012

Nicht vergessen: Hepatitis A und E

Aktivierung von Trypsinogen erklärt nicht alles

Auch die Hepatitis-Forschung ist beim Kongress wieder ein großes Thema. So gibt es etwa für die Hepatitis E neuerdings Hinweise auf chronische Verlaufsformen.

Von Andreas Häckel

WIESBADEN. Infektionen mit den Hepatitisviren A und E sind zwar vergleichsweise benigner als solche mit den oft chronifizierenden Typen B, C und D. Dennoch gibt es auch hier ärztlichen Handlungsbedarf und neue Erkenntnisse zu den Infektionsquellen.

Eine akute Infektion mit dem fäkal-oral übertragenen Hepatitis A-Virus, einem PICORNA-Virus mit einer mittleren Inkubationszeit von 30 Tagen und unspezifischer, grippeartiger Symptomatik, lässt sich oft bereits in der Prodromalphase durch IgM und IgG-Antikörper nachweisen. Ein Ikterus ist jedoch speziell bei Kindern unter sechs Jahren nur zu zehn Prozent vorhanden. Darauf wies Professor Andreas Erhardt vom Universitätsklinikum Düsseldorf hin.

Suspekte Nahrungsmittel oder Getränke als klassische Infektionsquelle sollten wegen der relativ hohen Hitzestabilität von HAV über mindestens fünf Minuten bei 100 Grad oder eine Stunde bei 60 Grad Celsius erhitzt werden, so Erhardt. Allerdings sei speziell in industrialisierten Ländern wie den USA die HAV-Übertragung durch intravenösen Drogenkonsum oder Geschlechtsverkehr inzwischen deutlich häufiger als durch kontaminierte Speisen oder Getränke.

Hepatitis A in Deutschland rückläufig - aber Achtung bei Reisen!

Die Inzidenz der nicht chronifizierenden, symptomatisch zu behandelnden Infektion ist in Deutschland mit etwa 20/100.000 Einwohnern seit mehreren Jahren rückläufig. Dennoch wird von der STIKO besonders bei Lebererkrankungen, Menschen im Gesundheits- und Ernährungssektor sowie bei Reisen in Regionen mit hoher Hepatitis-A-Prävalenz eine Impfung empfohlen. Deren Effizienz liegt deutlich über 80 Prozent.

Ursache der Hepatitis E ist eine Infektion mit einem in vier Genotypen vorkommenden RNA-Virus, so Erhardt. Die Zahl der fäkal-oral übertragenen Infektionen in Deutschland sei zwar mit 0,3/100.000 Einwohner niedrig, allerdings mit einem deutlichen Anstieg in den letzten Jahren.

Chronische Hepatitis E vor allem bei Immunsuppression

Die Sensitivität der HEV-Diagnostik, ebenfalls über IgM-und IgG-Antikörper, beträgt etwa 90 Prozent, ist bei Immunsupprimierten aber geringer. Bei solchen Patienten nach Organ- oder Stammzelltransplantation, mit HIV oder unter Chemotherapie seien jetzt auch erstmals chronische Verläufe bekannt geworden, so Erhardt.

Speziell eine Infektion mit dem Genotyp 3 und eine Immunsuppression mit Tacrolimus scheinen hierfür zu prädestinieren. Chronische HEV-Infektionen sprechen nach ersten Berichten gut auf Monotherapien mit Ribavirin oder mit pegyliertem Interferon alfa an.

Optimistisch stimmen auch Studien zu einer Impfung, die auf einem Capsidprotein von HEV basiert: in einer nepalesischen und einer chinesischen Studie wurde damit ein Impfschutz zwischen 96 und 100 Prozent erzielt.

Übertragung vor allem durch Innereien und nicht gut erhitztem Schweinefleisch

Anzulasten ist die Inzidenz-Zunahme in Deutschland übrigens im wesentlichen autochthonen Infektionen mit dem Genotyp 3. Sie stehen nach einer Fall-Kontroll-Analyse vor allem in Zusammenhang mit dem Verzehr von Innereien, Wildschweinfleisch oder nicht ausreichend erhitztem Schweinefleisch in den letzten zwei Monaten vor Beginn der Erkrankung.

Speziell bei Wildschweinen in Deutschland sei dieser Genotyp endemisch und in Spanien etwa seien auch 17 Prozent der Hausschweine damit infiziert.

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