Ärzte Zeitung, 20.11.2012

Leitartikel zum Lebertag

Schlechte Noten für die Früherkennung

Viele Menschen nehmen Infektionen als Bedrohung kaum wahr. Experten warnen aber vor fatalen Folgen chronischer Infekte. Ein Beispiel dafür sind die Virushepatitiden.

Von Thomas Meißner

Schlechte Noten für die Früherkennung

Sklerenikterus: Typischer Befund bei Patienten mit Lebererkrankung.

© Arteria Photography

Das Buch der Infektionskrankheiten könne nun bald geschlossen werden, meinte im Jahr 1967 der Leiter des öffentlichen US-Gesundheitsdienstes, William Stewart. Der Glaube, man könne sämtliche für den Menschen schädliche Mikroben einfach austilgen oder einen dauerhaften Schutzschild schaffen, wirkt bis heute nach.

Es ist eine Art Grundhaltung, die mit der Erfindung der Antibiotika und Impferfolgen gegen Pocken und Polio zu tun haben muss: Als echte Bedrohung nehmen viele Menschen, von kurzzeitigen Aufmerksamkeitswellen abgesehen, Infektionen nicht (mehr) wahr - trotz Warnungen von Mikrobiologen und Infektiologen. Die unter Umständen fatalen Folgen zeigen sich manchmal erst langfristig.

Ein Beispiel dafür sind die Virushepatitiden. 30 Millionen Menschen in Europa sollen an einer Virushepatitis leiden. In Deutschland geht man von bis zu 500.000 Hepatitis-C-Infizierten und ebenfalls etwa 500.000 chronischen Hepatits-B-Virusträgern aus.

Doch eine kürzlich von der europäischen Patientenorganisation ELPA (European Liver Patients Association) in Auftrag gegebene Studie aus 30 europäischen Ländern macht klar, dass es um die rechtzeitige Detektion dieser Infektionen sehr schlecht bestellt ist. ELPA-Präsidentin Tatjana Reic sagte: "Sogar reiche Staaten wie Deutschland versagen bei der Früherkennung." ...

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