Ärzte Zeitung, 01.07.2013

Hepatitis-B

Vitamin-D-Mangel bahnt Virus den Weg

FRANKFURT/MAIN. Forscher des Uniklinikums Frankfurt haben herausgefunden, dass Vitamin-D-Mangel zur Ausbreitung des Hepatitis-B-Virus (HBV) in der Leber beitragen könnte (Hepatology, published online 22. Mai).

Eine niedrige Vitamin-D-Konzentration im Serum war in der Studie eine der stärksten Determinanten für eine immunologisch unzureichend kontrollierte Hepatitis B mit hoher Konzentration des HBV im Blut.

"Man wusste bereits, dass Vitamin D das Immunsystem unterstützt und es gibt Belege, dass es eine Rolle bei wichtigen Lebererkrankungen wie etwa der Hepatitis C spielt", wird Forschungsgruppenleiter Dr. Christian Lange in einer Mitteilung des Universitätsklinikums Frankfurt a. M. zitiert.

"Die Verbindung von Vitamin -D-Mangel und chronischer Hepatitis B war dagegen bisher unbekannt." Das Forschungsteam untersuchte 203 Patienten mit chronischer Hepatitis B, die zuvor noch keine Behandlung für ihre Infektion erhalten hatten.

Bei diesen wurde im Rahmen der Studie die Vitamin-D-Serumkonzentration (25-Hydroxyvitamin D) gemessen. Ausgeschlossen wurden Patienten, die auch mit dem Hepatitis-C-Virus, HIV oder Hepatitis-D-Virus infiziert waren, die exzessiv Alkohol konsumierten oder an Leberkrebs bzw. anderen bösartigen Tumoren litten.

Die Ergebnisse zeigen, dass 37 Prozent der Patienten mit chronischer Hepatitis B einen ausgeprägten Vitamin-D-Mangel aufwiesen (weniger als 10 ng/mL), 47 Prozent hatten einen mäßigen Vitamin-D-Mangel (zwischen 10-20 ng/mL) und nur bei 19 Prozent war der Vitamin-D-Level auf einem normalen Niveau (mehr als 20 ng/mL).

Weitergehende Analysen belegen, dass eine hohe Konzentration von Hepatitis-B-Viren im Blut ein starker Indikator für einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel ist. Beispielsweise lag bei Patienten mit einer Hepatitis-B-DNA unter 2000 IU/mL die mittlere Vitamin-D-Serumkonzentration bei 17 ng/mL und bei Patienten mit einer Hepatitis-B-DNA von 2000 IU/mL und mehr (ein Schwellenwert, der eine Therapiebedürftigkeit anzeigt) bei 11 ng/mL.

Ein kausaler Zusammenhang beider Parameter wurde durch gegenläufige Entwicklungen der jeweiligen Serumkonzentrationen im Jahresverlauf nahegelegt: Stieg die Vitamin-D-Serumkonzentration durch den Einfluss des Sonnenlichtes im Sommer und Herbst, sank die Konzentration an HBV (und umgekehrt).

"Unsere Resultate legen eine kausale Verbindung zwischen einem Vitamin-D-Mangel und einer hohen Konzentration von Hepatitis-B-Viren im Blut nahe", erklärt Lange. Mit dieser Erkenntnis könnten sich neue Möglichkeiten für die Therapie der Viruserkrankung ergeben.

"In weitergehenden Studien untersuchen wir derzeit, wie Vitamin D konkret zur Behandlung der chronischer Hepatitis B eingesetzt werden kann", so Lange. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Stress in der Arbeit, Demenz als Rentner?

Wer sich im Berufsleben sehr gestresst fühlt, baut als Rentner schneller geistig ab. Liegt das tatsächlich an den Arbeitsbedingungen? Forscher sind dieser Frage jetzt nachgegangen. mehr »

Weg mit dem Heilpraktikerberuf!

Die Abschaffung des Heilpraktikerberufes steht im Fokus eines aktuell publizierten Memorandums. Aufgestellt hat die Forderung der neu gegründete "Münsteraner Kreis" um die Medizinethikerin Prof. Bettina Schöne-Seifert. mehr »

Klinikärzte mahnen Diabetes-Screening an

Patienten mit Diabetes müssen länger im Krankenhaus bleiben und haben ein erhöhtes Risiko für Komplikationen. Tübinger Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass ein Diabetes-Screening für über 50-Jährige sinnvoll ist. mehr »