Ärzte Zeitung, 25.01.2017
 

Hepatitis

Versorgung in Europa könnte besser sein

Bei Hepatitis gibt es in der Versorgung, Prävention und Therapie in Europa vielerorts Nachholbedarf.

Von Philipp Grätzel von Grätz

BERLIN. Die Europäische Liver Patient Association (ELPA) hat die erste große, europaweite Studie zur Hepatitis-Versorgung und Hepatitis-Prävention vorgestellt. In vielen Ländern gibt es gravierende Lücken. Deutschland schneidet recht gut ab.

Zumindest bei der Hepatitis C sei Dank neuer Therapien eine Reduktion der Inzidenz auf null prinzipiell möglich, sagte der Vorsitzende der Europäischen Leber-Fachgesellschaft EASL, Professor Massimo Colombo von der Universität Mailand. Dies erfordere aber effektive Screening-Programme, eine konsequente Therapie und eine gute Zusammenarbeit der an der Versorgung von Hepatitis-Patienten beteiligten Akteure.

Wie sieht es damit in Europa aus? Das hat die Hep-CORE-Studie evaluiert, eine Erhebung bei Patientenorganisationen und Leberexperten in 25 europäischen Staaten plus Israel und Ägypten. In der Gesamtschau seien die Ergebnisse ernüchternd, sagte Studienleiter Professor Jeffrey Lazarus vom Barcelona Institute of Global Health bei einer Veranstaltung, zu der die ELPA eingeladen hatte.

So gebe es in der Mehrheit der untersuchten Länder keine nationalen Register für Hepatitis B oder Hepatitis C. In jedem dritten Land sei der Zugang zu Hepatitis-Tests auf Krankenhäuser beschränkt, was es insbesondere bei Hochrisikogruppen schwierig mache, die Diagnose einer viralen Hepatitis überhaupt erst zu stellen.

Auch in Sachen Prävention gebe es vielerorts Nachholbedarf, so Lazarus. So existierten Programme für saubere Spritzen und Nadeln für intravenös Drogenabhängige zwar in 22 von 27 Ländern. Oft beschränkten sich diese aber auf bestimmte Gebiete oder Regionen, sodass viele aus der Hochrisikogruppe der Drogenkonsumenten davon nicht profitierten. Extra ausgewiesene Räume für den Drogenkonsum gebe es nur in fünf von 27 Ländern.

Seitens der Therapie gibt es ebenfalls deutliche Lücken. In insgesamt vier Ländern, darunter Finnland, seien direkte antivirale HCV-Medikamente derzeit gar nicht erhältlich, so Lazarus. In allen anderen Ländern gebe es teils deutliche Restriktion. So koppelten 19 Länder die Therapie an den Fibrosegrad, in 14 Ländern gibt es Restriktionen für Drogenabhängige und in acht Ländern für Alkoholabhängige.

Deutschland schneidet bei der Hep-CORE-Studie recht gut ab. HCV-Medikamente sind frei erhältlich, und sie können auch von Allgemeinärzten verordnet werden. Letzteres gibt es sonst nur noch in Bulgarien. Anders als in Frankreich, wo es keinerlei Restriktionen für die Therapie gebe, haben in Deutschland drogen- und alkoholabhängige Menschen aber Probleme, eine adäquate Therapie zu bekommen, solange sie nicht abstinent oder substituiert werden, so der Hep-CORE-Bericht.

Hepatitis-Therapie in Europa

In vier Ländern sind direkte antivirale HCV-Medikamente derzeit nicht erhältlich.

19 Länder koppeln die Therapie an den Fibrosegrad.

In 14 Ländern gibt es Restriktionen für Drogenabhängige.

In acht Ländern gibt es Restriktionen für Alkoholabhängige.

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