Ärzte Zeitung online, 26.04.2017
 

Hepatitis C und Drogensucht

Frustrierende Therapie-Arbeit hinter Gittern

Die Behandlung von inhaftierten Patienten mit Hepatitis C und Drogensucht wird vor allem durch eines erschwert: die Haftanstalt an sich.

Von Marco Mrusek

MÜNCHEN. "Strafvollzug und Hepatitis C" – auch dieses Thema stand bei der 7. Münchner AIDS- und Hepatitis-Werkstatt zur Diskussion. Dabei wurde klar: Bei internistisch erkrankten Inhaftierten, die auf einer Krankenstation versorgt werden müssen, sind viele Fälle mit Tuberkulose und Hepatitis C (HCV) dabei, wie auch ein anwesender Gefängnisarzt bestätigte.

Dass HCV und Tuberkulose im Bereich des Strafvollzugs ein besonderes Problem ist, geht auch aus den Daten einer im "Lancet" veröffentlichten Studienreihe hervor (Dolan K et al sowie Kamarulzaman A et al; beide in: Lancet 2016; online 14. Juli). In Teilen von Europa und den USA sei einer von sechs Häftlingen mit HCV infiziert, so das Resümee der Studienautoren.

Pro Jahr beträten oder verließen 30 Millionen Menschen den Strafvollzug in Justizvollzugsanstalten. Nicht diagnostizierte und unbehandelte Infekte könnten sich so außerhalb der Gefängnismauern verbreiten. "Gefängnisse können wie ein Inkubator für HIV, Hepatitis C und Tuberkulose wirken", so der leitende Autor der Studienreihe und Präsident der internationalen Aids-Gesellschaft, Professor Chris Beyrer aus Baltimore.

Die Autoren der Studienreihe weisen auf mehrere Faktoren hin, die die Verbreitung von HCV- und Tuberkulose-Infektionen hinter Gittern – und nach Entlassung der Inhaftierten – fördern.

Sie nennen unter anderem:

- Massenhafte Inhaftierungen von Drogenbenutzern auf engstem Raum,

- zum Teil schlechte hygienische Bedingungen sowie

- das Wiederverwenden von Nadeln, die zum Tätowieren oder Drogeninjizieren verwendet werden.

- Außerdem würden noch immer zu wenig Kondome unter den Häftlingen verteilt, die Krankheiten verbreiteten sich auch durch ungeschützten Geschlechtsverkehr unter den Insassen.

Forscher sagen auf Grundlage von Algorithmen für die Ukraine voraus, dass 28 bis 55 Prozent aller neuer HIV-Infektionen innerhalb der nächsten 15 Jahre auf die erhöhte HIV-Übertragungsrate zwischen gegenwärtig oder zuvor inhaftierten Drogengebrauchern zurückzuführen seien (Lancet 2016, online 14. Juli).

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Es kommt Schwung in die Entwicklung neuer Psychopharmaka

Bald könnte es einen Schub für die Entwicklung neuer Psychopharmaka geben. Denn Forscher finden immer mehr über die Entstehung psychischer Erkrankungen heraus. mehr »

Spielt Krebs eine Rolle beim plötzlichen Kindstod?

Ein plötzlicher Kindstod bei einer unbekannten neoplastischen Erkrankung ist selten, aber kommt vor. Das ist das Ergebnis einer britischen Studie. mehr »

Patienten sollen Verdacht auf Nebenwirkung melden

Alle europäischen Arzneimittelbehörden fordern in einer gemeinsamen Kampagne Patienten auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. mehr »