Ärzte Zeitung online, 03.10.2010

Kaposi-Sarkom: Außer Herpesviren sind offenbar auch Genmutationen beteiligt

Kaposi-Sarkom: Außer HIV sind offenbar auch Genmutationen beteiligt

BERLIN (ple). Das Kaposi-Sarkom ist eine jener Erkrankungen, bei denen die Beteiligung des Herpes-Virus HHV-8 gesichert ist. Möglichweise sind Genmutationen als Kofaktoren in der Pathogenese beteiligt.

Das Kaposi-Sarkom wurde erstmals 1872 von einem ungarischen Dermatologen beschrieben und galt lange Zeit als sehr seltene Erkrankung etwa der Lunge, in der es zu Wucherungen der Epithelzellen kommt. Bis Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurden nur zwischen 2 und 5 Patienten mit dieser Erkrankung pro eine Million Einwohner und Jahr dokumentiert.

Dann entdeckten immer häufiger Zahnärzte die typischen fleckförmigen Veränderungen der Mundschleimhaut, die sich als Kaposi-Sarkom entpuppten. Die Patienten waren HIV-Infizierte, bei denen das Kaposi-Sarkom inzwischen - weltweit betrachtet - 10 000 Mal häufiger als in der übrigen Bevölkerung auftritt. Darauf wies Professor Harald Stein von der Charité in Berlin bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie in Berlin hin. Stein: "Darüber hinaus kommt das Kaposi-Sarkom bei Heroin-Abhängigen häufiger vor als bei Schwulen."

Seit 1994 ist klar, dass das Kaposi-Sarkom mit dem Herpes-Virus HHV-8 assoziiert ist. Nachweisen lässt sich inwischen das Virus mit Hilfe eines monoklonalen Antikörpers gegen das Latenz-assoziierte nukleäre Antigen (LANA). "Die Entwicklung des Antikörpers war ein Durchbruch in er Diagnostik", so Stein. Bei HIV-Infizierten lassen sich leicht beide Viren - der Aids-Erreger und HHV-8 - in Lymphknoten nachweisen.

Da nicht alle HHV-8-Positiven erkranken, werden Kofaktoren in der Pathogenes des Kaposi-Sarkoms vermutet. Einer von ihnen ist das mutierte Gen STIM1, das als intaktes Gen eine Schlüsselrolle im Kalziumstoffwechsel hat.

Mutationen in diesem Gen wurden auch bei Patienten mit T-Zell-Defizienz entdeckt. Nach Steins Angaben ist bisher noch unklar, ob weitere Genmutationen in der Pathogenese des Kaposi-Sarkoms beteiligt sind.

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