Ärzte Zeitung, 15.10.2015

Tag des Händewaschens

Frauen schlagen Männer am Waschbecken

Der Welttag des Händewaschens wirbt am 15. Oktober für Hygiene - und da gibt es einigen Nachholbedarf, wie eine aktuelle Umfrage zeigt.

Frauen schlagen Männer am Waschbecken

Richtiges Händewaschen ist wichtig, um Ansteckungen zu vermeiden.

© Erwin Wodicka

BERLIN. Zumindest beim Händewaschen kann von Gleichstellung noch nicht die Rede sein: Frauen gaben in einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) "signifikant häufiger" als Männer an, sich die Hände zu waschen.

Das zeigen laut BZgA auch Studien der London School of Hygiene & Tropical Medicine mit rund 250.000 Besuchern von Raststätten-Toiletten. Ergebnis: Nicht einmal jeder dritte Mann benutzt dort Wasser und Seife - dafür aber 64 Prozent der Frauen.

Im Normalfall sind auf der Hand 100 Keime pro Quadratzentimeter, wie der Ärztliche Direktor des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene, Dr. Ernst Tabori, erklärt. Er betont aber: "Nicht die Zahl, sondern die Art der Keime ist entscheidend, ob wir krank werden."

Küche ist der Hotspot für Infektionen

Übrigens: "Die Küche ist der Hotspot für Infektionen - vielmehr als das Bad", sagt der Facharzt. Ihm zufolge finden sich auf dem Toilettensitz bis zu 300 Keime pro Quadratzentimeter. Auf dem Spülbecken sind es rund 30.000.

20 bis 30 Sekunden sind nach Angaben von Experten zum effektiven Händewaschen nötig. Nach einer BZgA-Umfrage von 2013 halten aber nur 38 Prozent der Deutschen so lange durch. Viele Menschen halten die Hände nur kurz unter laufendes Wasser.

Gründliches Händewaschen macht Keimquellen zunichte: Die Türklinke vom Bad ist nach BZgA-Angaben tatsächlich so gefährlich wie ihr Ruf. Und zwar dann, wenn sich der Vorgänger nicht die Hände gewaschen hat.

Spültaste des Klos als Infektionsquelle

Auch die Spültaste der Toilette könne eine Quelle für Erreger sein - etwa bei Magen-Darm-Infektionen.

Toilettenpapier verhindert, dass die Finger schmutzig werden. In Indien beispielsweise wird das allerdings gar nicht benutzt: Inder reinigen sich nach dem Toilettengang nämlich mit Wasser und der linken Hand. Bedenklich - oder?

"Die Frage der nachträglichen Säuberung ist entscheidend", sagt Tabori. Nur wenn hinterher Wasser und Seife zum Einsatz kämen, gehe das in Ordnung. (dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[16.10.2015, 08:45:42]
Carsten Windt 
Küche als Krisengebiet
Das Spülbecken ist nicht der einzige und vor allem nicht der größte Gefahrenherd in der Küche.
Nicht selten werden insbesondere bei der Verarbeitung von Geflügel die einfachsten Regeln außer acht gelassen. So wird immer wieder das Händewaschen nach Verarbeitung von rohen Geflügelfleisch "vergessen" oder auf dem selben Brett (ggf. nach kurzem abspülen)wird erst das Fleisch zerteilt und hinterher der rohe Salat vorbereitet.  zum Beitrag »
[15.10.2015, 20:32:31]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
heißt das nun, dass inzwischen tatsächlich Männer mehr kochen als Frauen?
300 zu 30.000 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Hunde im MRT hygienischer als bärtige Männer

Ist es hygienisch, Hunde in MRT-Scanner zu legen, mit denen primär Menschen untersucht werden? Ja, legt eine Studie nahe: Bärtige Männer bergen höhere Kontaminationsrisiken. mehr »

Starke Konzentration wird im Fall Valsartan zum Klumpenrisiko

Noch ist die Risikobewertung im Fall Valsartan nicht abgeschlossen. Aber der Vorgang zeigt die Risiken der starken Marktkonzentration. mehr »

Die Gesundheit der Bombenkinder

Seit Jahrzehnten berichten viele Hibakusha – so nennt Japan seine Atombombenopfer – regelmäßig vor Schülern und Interessierten aus dem In- und Ausland von dem Grauen, das sie und ihre Angehörigen erlebten. mehr »