Ärzte Zeitung, 28.10.2005

Organisationen fordern mehr Impfungen gegen Polio

Welt-Polio-Tag / Eradikation ist in weiter Ferne

NEU-ISENBURG (Smi). Organisationen wie die WHO, Unicef und die Polio-Initiative Europa e. V. haben aus Anlaß des Welt-Polio-Tags an diesem Freitag zu verstärkten Anstrengungen bei der Eradikation von Poliomyelitis aufgerufen. In den vergangenen Jahren sind in vielen Ländern, in denen Polio bereits ausgerottet war, Menschen neu an Kinderlähmung erkrankt.

Erst vor wenigen Wochen wurde der erste Ausbruch von Poliomyelitis in den USA seit 26 Jahren registriert (wir berichteten). Mindestens vier Kinder aus Clarissa im Bundesstaat Minnesota hatten sich mit dem Virus infiziert. Alle gehören der Religionsgemeinschaft der Amish-People an, die Impfungen generell ablehnen.

Größere Polio-Ausbrüche in Afrika (Nigeria, Äthiopien, Sudan, Somalia, Jemen, Angola) und Asien (Indien, Indonesien) sind für das weltweite Eradikationsprogramm der WHO ein herber Rückschlag gewesen. Ursprünglich sollte bis Ende 2005 Polio weltweit ausgerottet sein.

Am Ziel der Eradikation hält die WHO dennoch fest. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, sind am Horn von Afrika und in Indonesien umfangreiche Impfkampagnen gestartet worden. Am stärksten von Polio betroffen sind derzeit Nigeria, Jemen, Indonesien und Indien.

Die meisten Infektionen gehen auf einen Polio-Ausbruch in einem Bundesstaat in Nigeria zurück. Dort waren Impfungen verboten worden, nachdem muslimische Geistliche dagegen protestiert hatten.

Aufgrund der weltweiten Ausbreitung von Polio hat das Robert-Koch-Institut an Ärzte appelliert, auch in Deutschland umfassend gegen Poliomyelitis zu impfen.

Der 28. Oktober wird weltweit als Polio-Tag begangen. An diesem Tag wurde der Entdecker des Polio-Virus, Jonas Salk, geboren.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

"Telemedizin ist für uns Landärzte die Zukunft"

Geringes Honorar, hoher Aufwand und auf bestimmte Diagnosen begrenzt – trotzdem setzen einige Ärzte auf die Videosprechstunde. Und das aus vielerlei Gründen. mehr »

Kein Darmkrebs-Screening ab 45 Jahren

Der GBA lehnt die Senkung der Altersgrenzen beim Darmkrebs-Screening ab. Dagegen soll das organisierte Einladungsverfahren zur Früherkennung ab Juli 2019 starten. mehr »

Was 100-Jährige von anderen unterscheidet

100-Jährige sind oft weniger krank als die Jüngeren. Worauf es ankommt, haben Forscher anhand von Daten von AOK-Versicherten herausgefunden. mehr »