Ärzte Zeitung, 06.03.2006

Neuer Impfstoff verhindert jede dritte Otitis media

Schutz vor Pneumokokken / Studie mit 5000 Kindern

HRADEC KRALOVE (hub). Die Impfung mit einem neuen 11-valenten Pneumokokken-Impfstoff für Säuglinge reduziert die Häufigkeit einer Otitis media um ein Drittel. Etwa 600 000 Kinder erkranken jährlich in Deutschland an einer Otitis media.

Otoskopie bei einem Kind wegen Verdachts auf eine Otitis media. Foto: Photodisc

In der Studie von Professor Roman Prymula und seinen Kollegen wurden die eine Hälfte von 5000 Säuglingen mit der neuen Pneumokokken-Vakzine geimpft, die andere Hälfte mit Hepatitis-A-Impfstoff (Lancet 367, 2006, 740).

Beide Gruppen wurden von den Forschern der Universität Hradec Kralove in Tschechien zusätzlich mit einer Sechsfach-Vakzine gegen Diphtherie, Tetanus, Polio, Haemophilus influenzae Typ B, Pertussis und Hepatitis B immunisiert.

In der Gruppe mit Pneumokokken-Impfung erkrankten 333 Kinder innerhalb der ersten zwei Lebensjahre an einer akuten Otitis media, in der Kontrollgruppe 499 - ein Unterschied von 34 Prozent. Mittelohrentzündungen durch im Impfstoff enthaltene Serotypen wurden um 58 Prozent vermindert: 141 Kinder in der Kontrollgruppe erkrankten daran, jedoch nur 60 in der Gruppe mit der Pneumokokken-Vakzine.

Die 11-valent-geimpften Kinder waren zum Teil vor sieben weiteren, in der Vakzine nicht enthaltenen Pneumokokken-Serotypen geschützt. Das führen die Forscher auf kreuzreagierende Antikörper zurück. Mittelohrentzündungen durch diese Serotypen wurden um 66 Prozent vermindert.

Die 11-valente Vakzine schützte auch vor Mittelohrentzündungen durch nicht-typisierbare Haemophilus-Bakterien: In der Gruppe mit Pneumokokken-Impfstoff gab es ein Drittel weniger Otitiden durch diese Bakterien. In dem neuen Impfstoff sind die Pneumokokken-Polysaccharide an das Haemophilus-Protein-D gekoppelt.

Die 11-valente Vakzine wurde von GlaxoSmithKline entwickelt. Sie könnte 2007 in Europa auf den Markt kommen.

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