Ärzte Zeitung, 27.04.2006

Vakzine könnte hämorrhagischem Fieber seinen Schrecken nehmen

Erfolgreiche Post-Expositionsprophylaxe gegen Marburg-Fieber bei Affen

FORT DETRICK (mut). Ein überraschender Erfolg ist Forschern mit einer Vakzine gegen das Marburg-Virus gelungen: Mit Hilfe eines gentechnisch veränderten Trägervirus ließen sich Affen auch nach der Injektion einer sonst tödlichen Dosis von Marburg-Viren zuverlässig vor der Erkrankung schützen.

Sie zählen zu den aggressivsten Erregern, die man kennt: Wer Marburg-, Ebola- oder Lassa-Fieber bekommt, hat nur geringe Überlebenschancen. Je nach Virenstamm sterben bei Infektionen mit Marburg- oder Ebola-Viren 90 Prozent der Erkrankten.

Eine wirksame Therapie gibt es bisher ebensowenig wie eine schützende Vakzine. Die Erreger könnten jedoch etwas von ihrem Schrecken einbüßen, sollte sich eine neue, gentechnisch hergestellte Vakzine auch bei Menschen bewähren. Zumindest Affen hat die Vakzine erfolgreich vor Marburg-Fieber geschützt.

In ihren Versuchen hatten Forscher der US-Armee in Fort Detrick insgesamt acht Rhesus-Affen das 10 000fache der normalerweise tödlichen Virendosis injiziert. Fünf der Affen hatten sie 20 bis 30 Minuten später mit der neuen Vakzine behandelt.

Der Impfstoff bestand aus abgeschwächten, aber noch vermehrungsfähigen Vesikulären Stomatitis-Viren, denen gentechnisch ein Oberflächen-Protein des Marburg-Virus eingepflanzt wurde. Mit diesem Protein dockt das Marburg-Virus an Affen- und Menschenzellen an. Bei den fünf immunisierten Affen brach die Krankheit nicht aus, die anderen drei starben, wie erwartet, an dem hämorrhagischen Fieber.

Die Vakzine eigne sich in erster Linie für Forscher, die sich etwa im Labor mit kontaminierten Spritzen infizieren sowie für Ärzte, die Marburg-Patienten behandeln, berichten die Wissenschaftler ("Lancet" online).

Vor einer Anwendung bei Menschen seien aber noch weiter Sicherheitstests nötig. Erste Erfolge gibt es im Tierversuch inzwischen auch mit ähnlichen Vakzinen gegen Ebola- und Lassa-Fieber.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Kollateralnutzen der Militärforschung

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