Ärzte Zeitung, 12.09.2006

Schützt Impfen vor Kindstod?

Am plötzlichen Kindstod gestorbene Kinder sind weniger und später geimpft

MÜNSTER (hub). Impfungen sind nicht Ursache des plötzlichen Kindstods (SIDS). Das hat eine deutsche Studie erneut bestätigt. Geimpfte Kinder sterben sogar seltener an SIDS als ungeimpfte.

Das Risiko für SIDS (Sudden Infant Death Syndrome) im Zusammenhang mit Impfungen haben Dr. Mechthild Vennemann und ihre Kollegen von der Uni Münster in einer Fall-Kontroll-Studie untersucht.

Die Forscher haben 307 an SIDS gestorbene Kinder und 971 über Geburtsregister gewonnene Kinder als Kontrolle aus der Zeit von 1998 bis 2001 einbezogen ("Vaccine" online). Anhand der Impfpässe wurden Art und Zeitpunkt von Impfungen abgefragt.

Das Ergebnis: Die Kinder in der Kontrollgruppe wurden früher und öfter geimpft als die an SIDS gestorbenen. In der Gruppe mit plötzlichem Kindstod war jedes zweite Kind geimpft, in der Kontrollgruppe waren es jedoch 60 Prozent.

Die Rate Geimpfter in der Kontrollgruppe war somit 20 Prozent höher als bei den an SIDS gestorbenen Kindern. Berücksichtigten die Forscher nur die 14 Tage nach den Impfungen, waren in der Kontrollgruppe noch immer mehr geimpfte Kinder, der Unterschied war aber nicht signifikant.

Wenn Impfungen Ursache für SIDS sind, müßte die Impfrate bei den SIDS-Kindern höher sein, so die Forscher. Ihre Studie ergab jedoch das Gegenteil. Die Kollegen aus Münster bestätigen damit Studien aus den USA, England, Frankreich und Neuseeland. In Deutschland hat sich die SIDS-Inzidenz halbiert, seitdem Eltern aufgefordert werden, ihre Kinder in Rückenlage schlafen zu lassen.

Mehr Informationen im Internet: www.vaers.org, www.sids.de

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