Ärzte Zeitung, 29.01.2007
 

Zervix-Schutz durch drei Injektionen

Vakzine verhindert Infektionen mit humanen Papillomaviren / Impfung könnte bald Kassenleistung sein

GRAINAU (wst). Aus einer persistierenden Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV) entwickelt sich häufig ein Zervixkarzinom. Für einen effektiven Schutz vor den wichtigsten onkogenen HPV-Typen ist mittlerweile ein Impfstoff verfügbar. Die Zulassung einer weiteren Vakzine dieser Art wird demnächst erwartet. Experten hoffen, dass die Impfung für die Hauptzielgruppe der 11- bis 18-jährigen Mädchen Kassenleistung wird.

Nach der Grundimmunisierung haben die Patientinnen mehr als vier Jahre lang hohe HPV-Antikörpertiter. Foto: GSK

Der Impfstoff des Unternehmens GlaxoSmithKline mit dem Handelsnamen Cervarix® soll Mitte dieses Jahres auf den deutschen Markt kommen. Der Impfstoff schützt Patientinnen vor der Infektion mit den zwei häufigsten onkogenen HP-Viren, den Typen 16 und 18. Sie lösen mindestens 70 Prozent aller Zervix-Karzinome aus. Darauf hat Dr. Heike Perlitz aus Haldensleben bei Magdeburg hingewiesen.

Hauptbestandteil des noch nicht erhältlichen Impfstoffes sind so genannte Virus-like-Particles, die das hoch immunogene aber nicht onkogene Kapsidprotein L1 der HPV-Typen 16 und 18 enthalten. Um die Immunantwort zu verstärken, wurde das von GlaxoSmithKline patentierte Adjuvans AS04 hinzugefügt, berichtete Perlitz auf einer Veranstaltung des Unternehmens in Grainau.

Drei Impfungen im Abstand von ein und sechs Monaten

Die Grundimmunisierung besteht aus drei Impfungen im Abstand von ein und sechs Monaten. Ob und wann eine zusätzliche Boosterung notwendig ist, ist noch unklar. Nach den bisherigen Studiendaten bleiben die hohen Antikörpertiter jedenfalls über 4,5 Jahre erhalten.

Klinische Studien haben ergeben, dass eine Impfung mit der Vakzine Zervix-Neuinfektionen mit den HPV-Typen 16 und 18 zu über 90 Prozent und persistierende Infektionen mit diesen beiden Virustypen zu 100 Prozent verhindert, so Perlitz. Zudem gibt es aus Phase-II-Studien bereits Hinweise, dass der neue Impfstoff auch vor Infektionen mit den ebenfalls onkogenen HPV-Typen 31 und 45 schützt. Damit ließen sich theoretisch rund 80 Prozent aller Zervix-Karzinome verhindern, sagte Perlitz.

Ideal wäre es, Mädchen bereits vor dem ersten Geschlechtsverkehr zu impfen, da die Übertragung der sehr häufigen HP-Viren beim Koitus erfolge. Perlitz ist zuversichtlich, dass die HPV-Impfung zwischen dem 11. und 18. Lebensjahr schon bald eine Regelleistung der Krankenkassen wird. Die STIKO hat bei einer Sondersitzung am 5. Dezember 2006 noch keine Empfehlung für die HPV-Impfung getroffen.

Die Techniker-Krankenkasse hat sich als erste Kasse bereit erklärt, die Kosten der Impfung bei Mädchen bis zum 18. Lebensjahr zu übernehmen. Und auf Antrag würden nach Perlitz‘ Erfahrung bis zu dieser Altersgrenze die zunächst noch vorzuleistenden Kosten für die Impfung inzwischen auch von anderen gesetzlichen Krankenkassen rückerstattet.

STICHWORT

Impfkosten

Noch gibt es keine Impfvereinbarungen zwischen Kassen und KVn zur HPV-Impfung. Die Impfung ist daher IGeL. Einige Kassen erstatten jedoch die Kosten. Bisher sind das: DAK, Ortskrankenkassen, Techniker Krankenkasse, in Einzelfällen die Barmer. Die Patienten müssen die Arztrechnung bei den genannten Kassen einreichen, um ihre Kosten erstattet zu bekommen.

Eine Entscheidung der Ständigen Impfkommission wird für Februar erwartet. (eb)

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