Ärzte Zeitung, 16.04.2008

KOMMENTAR

Impfungen halten nicht ewig - ja und?

Von Michael Hubert

Das ist mal wieder Wasser auf die Mühlen der Impfgegner: Die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln hält nicht ein Leben lang. Darauf lässt die aktuelle Studie zum Mumps-Ausbruch des Jahres 2006 in den USA schließen. Denn der Erkrankungsgipfel lag bei den 18- bis 24-Jährigen, trotz Impfraten von 84 Prozent in dieser Altersgruppe.

Aber wer hat denn auch erwartet, dass die MMR-Impfung lebenslangen Schutz vor einer Erkrankung bietet? Daten dazu gab es bisher keine. Daten gibt es im Übrigen auch nicht zu der These, eine durchgemachte Erkrankung schütze lebenslänglich. Fallen natürliche Boosterungen durch zirkulierende Wildviren weg, muss durch "unnatürliche" Boosterungen - durch Impfungen - der Immunschutz erneuert werden.

Das Ziel der aktuellen Impfstrategie in Europa aber bleibt die Eradikation: Das kann nur mit Impfraten von über 95 Prozent bei Säuglingen und Kleinkindern - für die erste und zweite MMR-Dosis - erreicht werden. Für Masern ist das sogar ein WHO-Ziel für Europa. Wird dieses Ziel nicht erreicht, wird es immer wieder Ausbrüche geben, denn der Immunschutz, ob durch Impfung oder Erkrankung, hält nun einmal nicht ewig.

Aus der derzeitigen Lage ergeben sich folgende Konsequenzen: Weiterhin Säuglinge und Kleinkinder impfen und die MMR-Impfung alle 10 bis 20 Jahre erneuern. Das ist allemal besser und auch billiger als zehntausende Erkrankte.

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