Ärzte Zeitung, 14.10.2008

Internet-Forum

Welche Impfungen brauchen Jugendliche zum China-Austausch?

Dr. Hans-Werner Lutteroth aus Bad Lobenstein:

Frage: 20 Zehntklässler werden im Frühjahr 2009 zum Austausch nach China fliegen. Es geht ein paar Tage nach Peking, dann überwiegend in die Großstadt Chongqing, anschließend in Dörfer im tropischen Regenwald und eventuell auch noch auf eine Ferienhalbinsel am Meer.

  • Welche Impfungen sind in welcher zeitlichen Reihenfolge für diejenigen Schüler zusätzlich zu empfehlen, die bisher gemäß den Empfehlungen der STIKO regulär geimpft sind?
  • Welche Impfungen und welche Impfreihenfolge sollte man für jene Schüler empfehlen, die bisher gemäß STIKO unzureichend geimpft sind?
  • Ist Malaria-Prophylaxe nötig?

Antwort von Dr. Ulrich Klinsing:

So eine Reise ist immer eine gute Gelegenheit, Impflücken - entsprechend den STIKO-Empfehlungen - zu schließen, dies hat beim Reisezeitpunkt erst im März 2009 sicher auch die erste Priorität. Zunächst sehe ich bei dem Reiseziel und der Reiseart eine absolute Indikation für Impfungen gegen Tetanus, Diphterie, Polio, Hepatitis B (bereits Bestandteil der STIKO-Empfehlungen für Deutschland) und Hepatitis A. Aufgrund des Aufenthaltes in Dörfern und der hohen Inzidenz der Tollwut in China ist meines Erachtens für alle Reisenden auch eine Impfung gegen die Tollwut erforderlich. Eine Impfung gegen Typhus ist zu erwägen, die konkrete Indikation würde ich erst nach Kenntnis der genauen Route sowie der Unterkunfts- und Ernährungsplanung stellen. Gleiches gilt für die Malaria-Prophylaxe, denn die mir bekannte Routenbeschreibung Chongqing im Landesinneren, Dörfer im tropischen Regenwald und Ferieninsel an der Küste (wo genau?) ist für eine definitive Empfehlung zu unpräzise. Sehr wahrscheinlich reichen eine konsequente Expositionsprophylaxe (wegen anderer durch Mücken übertragenen Erkrankungen auch tagsüber!) und eine Stand-by-Medikation aus. Welche Präparate hier zu empfehlen wären, kommt sehr auf die individuelle Situation jedes einzelnen Schülers an. Gleiches gilt im Übrigen für die Reihenfolge der Impfungen. Grundsätzlich sollte man bei der vorhandenen Zeitvorgabe mit Impfungen beginnen, die auch für Deutschland relevant sind und mit Impfungen, bei denen zur Grundimmunisierung mehrere Impfdosen erforderlich sind. Besondere Impfabstände zwischen den verschiedenen Impfungen sind gegebenenfalls bei der Verabreichung von Lebendimpfstoffen zu berücksichtigen (kommt nur beim Schließen der Impflücken in Betracht). Jedenfalls ist das Aufstellen eines Impfplanes für jeden einzelnen Schüler eine Aufgabe, die recht zeitaufwendig ist.

Haben auch Sie Fragen zum Impfen?

Die Experten unserer kostenlosen "Hotline Impfen" helfen weiter.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wenn Einsamkeit krank macht

Ein Alterspsychotherapeut warnt: Ältere Männer sind besonders häufig suizidgefährdet. Einsamkeit ist ein Grund dafür. mehr »

Diabetes-Experten sind besorgt

Schon bald könnten mehr Lebensmittel "schlechten Zucker" enthalten. Für die Industrie wird der Einsatz von Isoglukose profitabler. mehr »

PKV bekennt sich zur Innovationsoffenheit

Wird es mit der neuen GOÄ erschwert, Privatpatienten neue Leistungen anzubieten? Vom PKV-Verband kommt dazu ein klares Dementi. mehr »