Ärzte Zeitung online, 29.12.2009

Hib-Impfung verhindert invasive Infekte - andere Haemophilus-Typen bleiben selten

FRANKFURT AM MAIN (ner). Die hohen Durchimpfungsraten gegen Haemophilus influenzae Typ b (Hib) führen zu einer relativen Zunahme der Krankheitslast durch unbekapselte Hi-Erreger. In absoluten Zahlen haben Infektionen mit nicht-Typ-b-Erkrankungen jedoch nicht zugenommen.

Hib-Impfung verhindert invasive Infekte - andere Haemophilus-Typen bleiben selten

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Heute erkrankt weniger als ein Kind pro 100 000 an Hib-Infektionen. Vor Einführung der Impfung betrug die Inzidenz 20 bis 50 pro 100 000, hat die Epidemiologin Dr. Helen Kalies von der LMU München berichtet. In Kanada war in den Jahren 1996 bis 2001 eine deutliche Zunahme der invasiven Infektionen mit non-b-Typen registriert worden, davon etwa die Hälfte unbekapselte Hi. Unbekapselte Hi werden bislang hauptsächlich für lokale Infektionen wie Otitis media, Sinusitis oder Konjunktivitis verantwortlich gemacht. Zwei Drittel von 166 invasiven Hi-Infektionen in zwölf beteiligten Zentren waren in Kanada von nicht-b-Serotypen ausgelöst (Pediatr Infect Dis J 26, 2007, 1025).

Aktuelle Daten aus Deutschland bestätigten diesen Trend nicht, sagte Kalies bei einer vom Unternehmen GlaxoSmithKline unterstützten Veranstaltung in Frankfurt am Main. Zwar überwiegen bei Kindern unter zehn Jahren mit invasiven Hi-Infektionen die nicht-b-Typen, davon sind etwa 80 Prozent unbekapselt. Es ließ sich jedoch in den Jahren 1998 bis 2005 kein signifikanter Trend feststellen. Die Häufigkeit invasiver nicht-b-Typ-Hi-Infektionen schwankte in dieser Zeit zwischen 10 und 27 (BMC Inf Dis 9, 2009, 45). Aus anderen Ländern wie den USA, Großbritannien, der Schweiz und Brasilien gibt es unterschiedliche Angaben. Die meisten Studien ließen jedoch keinen Anstieg der Infektionsraten mit unbekapselten Erregern infolge der Impfung erkennen, sagte Kalies.

Vor der Einführung der Impfung galt Hi, und besonders Hib, in den Industrieländern als wichtigster Auslöser invasiver bakterieller Infektionen bei Kindern, vor allem von Meningitiden und Epiglottitiden.

Unbekapselte Hi-Erreger sind dagegen außer Pneumokokken die häufigsten Verursacher der bakteriellen Mittelohrentzündung. Eine wichtige Rolle spielen die Keime zudem bei Exazerbationen chronisch obstruktiver Lungenerkrankungen. Bei älteren Menschen, Rauchern, Mukoviszidose- und AIDS-Patienten lösen die Erreger bis zu 20 Prozent der Pneumonien aus.

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