Ärzte Zeitung online, 28.12.2009

Masern-Eliminierung in Europa ist noch nicht in Sicht

BERLIN (djb). Dieses Jahr ist es in Deutschland und in anderen europäischen Ländern wieder zu vielen Masernerkrankungen gekommen. Das Ziel der WHO, Masern in Europa bis 2010 zu eliminieren, ist damit in weite Ferne gerückt.

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Mädchen mit Vollbild der Masern.

Foto: © Prof. Dr. Dr. F.C. Sitzmann, Homburg/Saar

Für die Eliminierung der Masern ist eine ausreichende Herdimmunität nötig. Dazu müssen mehr als 95 Prozent der Kinder und Jugendlichen zweimal gegen Masern geimpft werden. Dies sei bislang nur in Finnland erreicht worden, hat Professor Ulrich Heininger aus Basel berichtet.

In Deutschland liege die Durchimpfungsrate für die zweite Masernimpfung derzeit bei etwa 80 Prozent. Geimpft werden sollte mit einem Kombinationsimpfstoff, etwa gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Der Impfstoff kann gleichzeitig mit einem anderen Virus-Lebendimpfstoff oder im Abstand von vier Wochen dazu injiziert werden. Bei simultaner Impfung sollten verschiedene Körperstellen für die Injektion gewählt werden. Versäumte Impfungen sind nachzuholen. Eine Altersbegrenzung für die MMR-Impfung gibt es nicht.

Nach Angaben von Heininger hat sich in Europa die Zahl der Masernerkrankungen 2008 gegenüber 2007 ungefähr verdoppelt und zwar von rund 3900 auf etwa 7800 Erkrankungen. Etwa 85 Prozent der 12 132 in den Jahren 2006 bis 2007 gemeldeten Erkrankungen stammen aus Rumänien, Deutschland, Großbritannien, Schweiz und Italien (Lancet 373, 2009, 383). In der Schweiz sind seit einem Masernausbruch 2006, der bis heute andauert über 3 500 Erkrankungen registriert worden. Die Durchimpfungsraten in der Schweiz liegen für die erste Dosis des MMR-Impfstoffs bei 86 Prozent und für die zweite Dosis bei 70 Prozent. Die Erkrankten seien fast alle gar nicht oder unvollständig geimpft, so das STIKO-Mitglied bei einem Impfsymposium in Berlin.

Masern sind keineswegs eine harmlose Kinderkrankheit, betonte Heininger. Mit der Impfung sollen Komplikationen und bakterielle Sekundärinfektionen vermieden werden. So kann die Erkrankung gerade bei Kleinkindern im ersten Lebensjahr bei jedem vierten infizierten Kind zu einer Otitis media und bei jedem zehnten zu einer Pneumonie führen. Bei jeder 500. bis 2 000. Masernerkrankung kommt es zu einer Masern-Enzephalitis, an der 10 bis 20 Prozent der Betroffenen sterben. Das Risiko dafür steigt mit dem Erkrankungsalter. Bei 5 500 bis 25 000 Kinder mit Masern kommt es zu einer SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis), die sich oft erst mehrere Jahre nach der Erkrankung manifestiert. Nach fortschreitendem Abbau der geistigen und motorischen Fähigkeiten verläuft diese Erkrankung immer tödlich.

[28.12.2009, 22:27:27]
Margarita Moerth 
Impfverweigerung
Die zunehmende Verharmlosung vermeintlich ungefährlicher "Kinderkrankheiten" ist erschreckend und zeigt in den Statistiken bereits Folgen. Die Komplikationen und Gefahren einer MAserninfektion sind in diesem Artikel eindringlich beschrieben. Dass die Ohrspeicheldrüsenentzündung Mumps bei Knaben auf die Keimdrüsen übergreifen kann (Buben erkranken übrigens doppelt so oft an Mumps, wie Mädchen) ist bekannt. Dass Mumps-Viren aber auch Pankreatitis oder Meningitis hervorrufen können, bereits weniger; das selbe gilt für drohende Taubheit infolge eines Schadens am 8. Hirnnerv. - Ich kann verunsicherte Menschen verstehen, die nach der versuchten INszenierung überflüssiger Impforgien bald jeder Impfempfehlung misstrauen. Doch für die Risikoabwägung braucht man, bei gründlicher seriöser Information, keine Expertise, sondern nur ein bisschen gesunden Menschenverstand. zum Beitrag »

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