Ärzte Zeitung online, 20.08.2010

Hotline Impfen

Fragen zu den STIKO-Empfehlungen? Experten helfen weiter

Fragen zu den STIKO-Empfehlungen? Experten helfen weiter

Nach dem neuen Impfkalender der Ständigen Impfkommission sollen ungeimpfte junge Erwachsene (nach 1970 geboren) jetzt gegen Masern geimpft werden. Beim Rötelnschutz von Frauen mit Kinderwunsch entfällt die Titerkontrolle. Fragen dazu von Kollegen hat Dr. Jan Leidel von der STIKO in unserer Internet-Hotline beantwortet.

Eine Kollegin fragt im Internet:

Frage: Für junge Erwachsene wird der MMR-Impfstoff empfohlen. Was ist, wenn kein Schutz gegen Röteln und Mumps gewünscht wird? Kann man dann mit dem Masern-Monoimpfstoff impfen?

Dr. Jan Leidel: Bei Kindern kann die MMR-Impfung nicht durch einen monovalenten Masernimpfstoff ersetzt werden, ohne der STIKO-Empfehlung zuwider zu handeln. Anders verhält es sich mit der neu empfohlenen Standardimpfung gegen Masern bei allen nach 1970 geborenen ungeimpften (auch unklarer Impfstatus!) oder in der Kindheit nur einmal geimpften Personen über 18 Jahre. Hier empfiehlt die STIKO eine einmalige Impfung "vorzugsweise" mit MMR-Impfstoff. Dies bedeutet, dass auch eine Impfung mit monovalentem Masernimpfstoff der Empfehlung entspricht, von der STIKO aber für weniger günstig gehalten wird.

Frage: Bei Röteln ist in den neuen Empfehlungen für Frauen keine serologische Kontrolle von Impferfolg und Antikörper-Titer mehr vorgesehen. Wer bezahlt jetzt die Titerkontrolle, wenn sie gewünscht wird?

Dr. Jan Leidel: Die STIKO hat mit dem Wegfall der Indikation "seronegative Frauen mit Kinderwunsch" den Weg frei gemacht für eine Änderung der Mutterschaftsrichtlinie. Diese wurde von den zuständigen Fachgesellschaften unter anderem für sinnvoll gehalten, weil es durch den Wechsel vom früheren Hämagglutinationshemmtest zum heute üblicherweise verwendeten ELISA schwieriger geworden ist, einen minimalen Schutztiter zu definieren. Der STIKO war es wichtig, dass dann aber jede Frau mindestens zwei Rötelnimpfungen erhalten hat.

Die Kosten für einen von der Frau gewünschten Test werden prinzipiell von dieser getragen werden müssen, wenn die Mutterschaftsrichtlinie tatsächlich geändert ist.

Frage: Was ist mit vor 1970 geborenen Menschen mit erhöhtem beruflichen Masern-Infektionsrisiko (Kategorie B), die keine MMR-Impfung haben und im Gesundheitsdienst (etwa Medizinische Fachangestellte) arbeiten. Impfen ja, ist klar. Muss aber auch diese Impfung der Arbeitgeber bezahlen?

Dr. Jan Leidel: Die STIKO gibt dazu in ihren Empfehlungen "Hinweise zur Kostenübernahme: "So darf zum Beispiel ein Arbeitgeber nach § 3 Abs. 3 Arbeitsschutzgesetz die Kosten für Arbeitsschutzmaßnahmen nicht dem Beschäftigten auferlegen. Zu den Arbeitsschutzmaßnahmen gehören Impfungen, die auf der Grundlage der Biostoffverordnung anzubieten sind. Nach der Biostoffverordnung muss der Arbeitgeber dem Beschäftigten im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung ein Impfangebot machen, wenn der Beschäftigte eine der in Anlage IV der Biostoffverordnung genannten Tätigkeiten ausübt und dabei durch einen impfpräventablen biologischen Arbeitsstoff erhöht infektionsgefährdet ist. Dies hat der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu überprüfen.

Die in den STIKO-Empfehlungen mit "Kategorie B" gekennzeichneten Impfungen umfassen aber nicht nur solche, die auf der Grundlage der Biostoffverordnung anzubieten sind, sondern benennen auch Berufsgruppen, die dieser Verordnung nicht unterliegen. Ebenso werden in dieser Kategorie auch Impfungen aufgeführt, die vorrangig zum Schutz Dritter indiziert sind. Selbst wenn die Biostoffverordnung in diesen Fällen nicht greift, sollte der betroffene Arbeitgeber diese Impfungen in seinem eigenen Interesse anbieten, da er hierdurch eventuell Regressansprüchen entgegenwirken bzw. sich Kosten für Ausfallzeiten seiner Beschäftigten ersparen kann. Die Kostenübernahme für von der STIKO empfohlene, aber nicht durch den Arbeitgeber übernommene Impfungen können die Krankenkassen im Rahmen der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses regeln.

Inwieweit die mit "Kategorie B" gekennzeichneten Empfehlungen eine Pflichtleistung der GKV sind, richtet sich nach der Schutzimpfungs-Richtlinie des G-BA. Diese sieht derzeit dort, wo entsprechend der Biostoffverordnung der Arbeitgeber in der Pflicht ist, regelmäßig keinen GKV-Leistungsanspruch vor. Für von der STIKO empfohlene, aber nicht durch den Arbeitgeber zu übernehmende Impfungen sieht die Schutzimpfungs-Richtlinie dagegen in vielen Fällen Leistungen der GKV vor."

Die STIKO-Empfehlung dient auch dem Schutz empfänglicher, besonders gefährdeter Patienten vor einer Infektion durch medizinisches Personal. Die Kostenregelung hängt von einer Entscheidung des G-BA ab.

Neuer Impfkalender unter www.rki.de

Kostenlosen Expertenrat gibt es im Forum "Hotline Impfen"

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