Ärzte Zeitung, 13.01.2011

Pädiater raten jetzt zum Grippeschutz für alle Kinder

Komplikationsrate bei H1N1-Infektion erhöht / Grippewelle im Februar erwartet

NEU-ISENBURG (eis). Das neue H1N1-Virus birgt für Kinder ein besonders hohes Risiko für Komplikationen. Da der Erreger zurzeit in Deutschland verstärkt zirkuliert, ist eine Impfung ratsam.

Pädiater raten jetzt zum Grippeschutz für alle Kinder

Kleine Kinder brauchen zwei Grippe-Impfungen.

© Dmitry Naumov / fotolia.com

Die Ständige Impfkommission rät, Kinder mit Grunderkrankungen wie Asthma und Diabetes gegen Grippe zu impfen. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) geht jetzt noch einen Schritt weiter.

Alle Kinder, die letztes Jahr nicht an Schweinegrippe erkrankt waren oder dagegen geimpft worden sind, sollten jetzt den Schutz erhalten, rät die Fachgesellschaft.

Der aktuelle Grippe-Impfstoff schützt dabei auch vor dem H1N1-Virus. Er ist für Kinder ab dem vollendeten 6. Lebensmonat zugelassen.

Kleinkinder bis zum vollendeten 3. Lebensjahr erhalten zweimal im Abstand von vier Wochen die halbe und Kinder bis zum vollendeten 9. Lebensjahr zweimal die volle Dosis.

Mit dem Höhepunkt der Grippewelle sei im Februar zu rechnen. Das erhöhte Risiko für Komplikationen bei Schweinegrippe wurde zum Beispiel an zwei Würzburger Kinderkliniken belegt, berichtet www.impfbrief.de.

In der Saison 2009/2010 wurden dort 95 Kinder und Jugendliche im Alter bis 18 Jahre mit bestätigter A/H1N1-Infektion stationär behandelt, vor allem wegen Atemwegsinfekten. Der Klinik-Aufenthalt dauerte im Mittel vier Tage.

42 Prozent der Kinder hatten chronische Erkrankungen, am häufigsten Asthma. Ein Kind mit neurologischer Grunderkrankung sei gestorben. Hochgerechnet ergab sich bei 6- bis 16-Jährigen durch H1N1 eine fast fünfmal so hohe Hospitalisationsrate wie bei saisonaler Influenza A.

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