Ärzte Zeitung online, 13.05.2011

Masernschutz hängt von der Einstellung des Arztes ab

Skeptische Ärzte impfen Kinder selten

MÜNSTER (eis). Die Einstellung eines Arztes zu Impfungen hat wesentlichen Einfluss darauf, ob seine Patienten die empfohlenen Masern-Impfungen bekommen oder nicht. Das hat eine Studie in Münster ergeben.

Masernschutz hängt von der Einstellung des Arztes ab

Masernausbruch: Ob das Kind geimpft ist, hängt auch von der Einstellung des Arztes ab.

© DGK / Prof. Cremer

Für die Studie haben Dr. Axel Iseke und seine Kollegen vom Gesundheitsamt in Münster für die Stadt Daten der Landesimpfkampagne Masern 2007/2008 (NRW) mit Daten der Schuleingangsuntersuchungen aus dem Schuljahr 2002/2003 miteinander verglichen. Das berichtet der "Impfbrief online" (www.impfbrief.de).

Die Impfraten bei der Einschulung hatten sich in dem Fünf-Jahreszeitraum deutlich verbessert: Von 87 auf 97 Prozent für die erste und von 19 auf 86 Prozent für zweite Masernimpfung, die für den kompletten Schutz notwendig ist.

Die Einstellung des betreuenden niedergelassenen Arztes habe dabei einen entscheidenden Einfluss darauf gehabt, ob die in der Einschulungsuntersuchung vor zehn Jahren aufgezeigten Impflücken bei einem Kind geschlossen wurden oder nicht, berichtet Iseke.

Bei der späteren Datenerfassung waren von den Kindern, die von "Vielimpfern" betreut wurden, etwa 90 Prozent zweimal gegen Masern geimpft. Bei Kindern, die von "Wenigimpfern" betreut wurden, hatten zu diesem Termin nur 43 Prozent den kompletten Schutz.

Die Einstellung des Arztes hatte nach der Untersuchung einen deutlich stärkeren Einfluss auf den Impfstatus der betreuten Kinder als andere Variablen wie zum Beispiel Migrationshintergrund, Einstellung der Eltern zu Impfungen oder soziale Ressourcen der Familie.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Ohne Ärzte geht nichts bei Masern!

[13.05.2011, 22:45:20]
Dr. Diethard Friedrich 
Skandalöser Impfschutz
Erst als ich nach früherer kurzfristiger Amtsarzttätigkeit im masernfreien Finnland dann als Gynäkologe in Deutschland begann, bei meinen Patientinnen für einen vollständigen Impfschutz zu sorgen, besonders auch Lehrerinnen, Krankenschwestern und Erzieherinnen überzeugte, u.a. auch über 65Jährige gegen Pneumokokken impfte, mein Personal impfte und gezielt schulte, klingelte es auch bei einem Teil der Kollegen der Allgemeinmedizin, die bis dahin doch sehr zögerlich waren.Warum erinnern nicht die KVn, die ja die Impffreudigkeit beurteilen kann, die impfmüden Kollegen an ihre ärztliche, soziale Verpflichtung? Ist eigentlich diesen Kollegen klar, dass sie juristisch sich auf sehr glattem Eis bewegen ? zum Beitrag »

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