Ärzte Zeitung, 29.03.2016

Skandal in China

Millionen unwirksame Impfstoffen verbreitet

Die Behörden wussten es offenbar schon länger: Kriminelle in China haben gezielt Millionen unbrauchbare Impfdosen an Impfzentren verkauft. Die Öffentlichkeit ist erschüttert.

NEU-ISENBURG. Ein Impfskandal hat die Öffentlichkeit in China erschüttert. Ein Händlerring mit hunderten von Mitgliedern soll seit 2011 in großem Stil bei Großhändlern Impfstoffe aufgekauft haben, deren Mindesthaltbarkeit abgelaufen war oder die unsachgemäß - etwa ohne Kühlung - gelagert worden waren.

Die Präparate seien dann mit großem Profit an illegale Zwischenhändler oder Impfzentren weiterverkauft worden, berichten chinesische Medien. Mindestens 37 Verdächtige wurden festgenommen. Darunter war auch ein Duo aus Mutter und Tochter aus der Provinz Shandong.

Die Rede ist von etwa zwei Millionen Impfdosen im Wert von 78,2 Millionen Euro. Darunter seien 25 verschiedene Vakzinen gewesen, etwa gegen Polio, Mumps, Hepatitis B, Influenza und Tollwut.

Die Arzneimittelbehörde der Provinz Shandong habe inzwischen 107 Großhändler identifiziert, die den Händlerring belieferten, sowie landesweit 193 Abnehmer der Impfstoffe. Im ganzen Land werde jetzt nach den Präparaten mit zweifelhafter Schutzwirkung gesucht. Die WHO hat inzwischen betont, dass betroffene Impflinge erneut geimpft werden müssen.

Entrüstung gab es auch darüber, dass der Skandal erst vergangene Woche öffentlich gemacht worden ist, obwohl den Behörden schon seit etwa einem Jahr die kriminellen Machenschaften bekannt gewesen sein sollen.

Inzwischen wird in China auch darüber debattiert, ob die unbrauchbaren Präparate sicher gewesen sind. In der vergangenen Woche hatte der Fall eines Vierjährigen, der in zeitlichem Zusammenhang mit Impfungen gegen Meningokokken-Meningitis und Polio gestorben war, die Wut der Bürger weiter angeheizt.

Das Vertrauen der Bürger in das chinesische Gesundheitssystem wurde in den vergangenen Jahren mehrfach erschüttert. Darunter war auch der Skandal mit Babynahrung, die mit der Industriechemikalie Melamin versetzt war. Sechs Todesfälle sowie etwa 300.000 Erkrankungen waren die Folge. (eis)

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