Ärzte Zeitung online, 14.03.2017

Forschung

Schwangerschaft fördert hochpathogene Grippeviren

Die Immunantwort von Schwangeren bei Grippe fördert schwere Krankheitsverläufe und neue, hochvirulente H1N1-Stämme.

Schwangerschaft fördert hochpathogene Grippeviren

Schwanger sind besonders von der Grippe gefährdet.

© Kitty / fotolia.com

HAMBURG. Die Immunantwort in der Schwangerschaft verstärkt nicht nur die Pathogenität von H1N1-Grippeviren, sondern begünstigt auch die Entstehung neuer, hoch-virulenter Stämme. Zu diesen Ergebnissen gelangt eine kooperative Studie der Forschungsgruppe Virale Zoonosen am Heinrich-Pette-Institut, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie unter der Leitung von Professor Gülsah Gabriel und dem Labor FetoMaternale Medizin am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf unter der Leitung von Professor Petra Arck (Cell Host & Microbe 2017; 3: 321).

Für das Immunsystem stellt eine Schwangerschaft eine einzigartige Situation dar, denn der Fötus trägt zur Hälfte ja auch väterliche Antigene. "Das mütterliche Immunsystem reagiert mit einer gezielten Immuntoleranz, um sicherzugehen, dass der Fötus nicht wie ein Transplantat abgestoßen wird", erklärt Arck.

"Bei einer Grippevirus-Infektion ist dagegen eine schnelle Immunantwort nötig, um sich gegen die Viren zur Wehr zu setzen" ergänzt Gabriel. Wegen dieser entgegengesetzten immunologischen Anforderungen sind schwangere Frauen die größte Risiko-Gruppe für schwere, teilweise tödliche Grippeverläufe. Über die genauen Ursachen dafür liegen bisher jedoch nur wenige Erkenntnisse vor.

In der nun erschienenen Studie ist es den Teams um Gabriel und Arck gelungen, die Vorgänge im Immunsystem bei einer Infektion mit dem Grippevirus pH1N1 während einer Schwangerschaft genauer zu charakterisieren. Mit einem Mausmodell wurde demonstriert, dass die antivirale Immunantwort in trächtigen Muttertieren deutlich abgeschwächt ist und die Infektion sehr viel schwerer verläuft als bei nicht-trächtigen Tieren. Zudem wurde die Bildung neuer, hochvirulenter Grippevirus-Varianten in den trächtigen Tieren nachgewiesen.

"Unsere Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, wie wichtig es ist, dass sich gerade schwangere Frauen mit einer Impfung vor Grippeinfektionen schützen. Zudem können die Erkenntnisse aber auch die Grundlage für neue therapeutische Ansätze liefern", erklärt Gabriel.

Gefördert wurde die Forschungsarbeit mit Mitteln des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung sowie dem Fonds National de la Recherche Luxembourg. Weiterhin ist die Studie in die durch die Deutsche Forschungsgesellschaft geförderte Klinische Forschergruppe 296 zum Thema "Feto-Maternale Immunität" eingebettet, welche Arck als Sprecherin vertritt. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Epileptiker haben hohe Überdosisgefahr

Die Gefahr, an einer Medikamentenüberdosis zu sterben, ist bei Epilepsiekranken fünffach erhöht, so eine Studie. Doch es ist anders, als auf den ersten Blick gedacht: Schuld sind meist nicht die Antikonvulsiva. mehr »

Nichtstun ist gefährlich für Patientendaten

Nur noch wenige Tage, dann tritt die EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Grund genug auch für Ärzte, sich die Prozesse der Datenverarbeitung anzuschauen und auf Sicherheit abzuklopfen. mehr »

So gefährlich sind Krampfadern

Krampfadern sollten nicht nur als kosmetisches Problem angesehen werden. Auch wenn die Varizen keine Beschwerden verursachen, bergen sie gesundheitliche Gefahren. mehr »