Ärzte Zeitung, 21.02.2008

Mit Computer-Power gegen Epidemien

Epidemie-Kompetenzzentrum in Hagen geplant / Forscher wollen Ausbreitung von Erregern besser berechnen

HAGEN (eb). An der Fernuniversität in Hagen soll ein interdisziplinäres Kompetenzzentrum für "Computational Epidemiology" entstehen. Entwickelt und erforscht werden Szenarien, um herauszufinden, wie effiziente Strukturen aufgebaut sein müssen, wenn es zu Krankheitsausbrüchen, etwa Influenza- Epidemien kommt.

Mit den Szenarien wollen Wissenschaftler Krankheitserregern und anderen biologischen Gefahren begegnen, in dem sie ihre Ausbreitungswege an Computern voraus berechnen. So sollen politisch Verantwortliche beim Katastrophenmanagement unterstützt werden.

Politiker sollen von den Daten profitieren.

Schon seit mehreren Jahren rücken Gefahren etwa durch Influenza, Vogelgrippe, Sars oder möglichen Bio-Terrorismus ins Bewusstsein von Forschern und Politikern. Durch die heutige Mobilität könne davon jeder Mensch auf der ganzen Welt betroffen sein, heißt es in einer Mitteilung der Universität. Also müssen globale Lösungen gefunden werden, um Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Um die geeigneten Maßnahmen auszuwählen, müssen zuvor Wissen und Informationen sehr schnell aus verschiedensten Quellen kombiniert werden. Erst dann kann exakt die Ausbreitung von Krankheiten modelliert, simuliert und analysiert werden.

An der Fernuniversität in Hagen sei in der Fakultät für Mathematik und Informatik bereits ein Großteil des erforderlichen Know-hows für Modellierung, Analyse und Datenhaltung vorhanden, ebenso die Basis für die erforderliche technische Infrastruktur. Deshalb könnten hier Gegenstrategien entwickelt werden.

Projektleiter ist Professor Herwig Unger, Lehrgebiet Kommunikationsnetze an der Fernuniversität. Unger hat in seinem Team Forscher und Mitarbeiter aus Disziplinen wie Epidemiologie, Medizin, Mathematik, Biologie, Informatik und Grafik.

In den USA arbeitet Professor Armin Mikler von der Universität von Texas in Denton mit. Mikler gab den Anstoß zu der Initiative. Der gebürtige Deutsche hat die "Computational Epidemiology" mitbegründet: Am Computer werden die Verbreitung und das Verhalten von Krankheitserregern simuliert und ausgewertet. Dies liefert vor allem für das öffentliche Gesundheitswesen Informationen, um Epidemien vorauszuberechnen. Zur Mitarbeit eingeladen sind Soziologen, Kriminologen, Politikwissenschaftler und Politiker.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Welcher Grippeimpfstoff ist für Senioren am besten?

Für ältere Menschen gelten spezielle Impf-Anforderungen, so die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie. Sie hat daher Tipps für Hausärzte zusammengestellt. mehr »

Personalmangel in der Pflege gefährdet Patienten

Die Gesundheitspolitik der künftigen Regierung wird einen Schwerpunkt bei Pflege setzen müssen. Davon zeigten sich Fachleute im Vorfeld des Kongress Pflege überzeugt. mehr »

Trivalente Impfstoffe jetzt wegwerfen?

Nach der Empfehlung der STIKO zum Einsatz von tetravalenten Impfstoffen stellt sich die Frage: Was soll jetzt mit noch vorhandenen, trivalenten Impfstoffen geschehen? mehr »